Betrug im E-Sport
Kavaliersdelikt oder Straftatbestand?
Die Ausgangssituation
Schon seines Sieges gewiss, sprintet der Captain des fünfköpfigen Counter-Terroristen Teams zum Bombenplatz, um das gerade frisch gelegte Corpus Delicti zu entschärfen. Er und sein Kamerad sind die letzten Überlebenden seins Teams und auch auf der Gegenseite gab es herbe Verluste – so haben sie nur noch eine gegnerische Einheit zu fürchten. Sein Kamerad gibt ihm Deckung, während er sich bereits am Sprengsatz befindet und mit der Entscheidung ringt, ob er zuerst den roten oder den blauen Draht kappen soll. Sein Teamkamerad sondiert aus sicherer Entfernung die Umgebung, als urplötzlich Schüsse fallen. Doch bevor ihm klar wird, dass die Gewehrkugeln direkt durch seine Deckung schlagen, liegt er auch schon am Boden. Das letzte, was er sah, war die Verzierung an der Wand - drei saubere Einschusslöcher in Kopfhöhe und verspritztes Blut deuten an, wo einst sein Schatten stand.
Keine zwei Augenblicke später erscheint vor dem letzten Mann des Bombenräumkommandos die Silhouette des Feindes. Durchhalten, nur noch 5 Sekunden! Doch zu spät, der Terrorist zückt das Messer und sticht mit zwei gezielten Attacken den Teamcaptain bäuchlings nieder. Moment, war das nicht derselbe Terrorist, der gleich zu Rundenanfang zwei eigentlich tödliche Kopftreffer einsteckte? Was war denn hier passiert?
Schalten wir kurz um
Der gleiche Tag, nur ein anderer Zeitpunkt und ein anderer Spieler. Der niederschmetternde Ausgang des letzten Matches hat sein Gemüt ziemlich gefrustet, und dass heute gleich das nächste wichtige Spiel ansteht, macht die Sache auch nicht besser. Er steht unter Druck und versucht sich abzulenken – das geht am besten mit dem Surfen durch das Internet. Plötzlich stolpert er über eine höchst interessante Diskussion in seinem Lieblingsforum. Die Mitglieder diskutieren über die neue Version einer Cheatsoftware, ausgerechnet für sein Spiel - Counterstrike!
Angefixt durch die namentliche Nennung des Cheatprogramms begibt er sich auf die Suche. Suchmaschinen, Tauschbörsen, Foren und Chaträume – er grast alles ab, denn das, was er über das Cheatprogramm gelesen hat, entfacht seinen Ehrgeiz. Nach mehreren Stunden des Recherchierens ist er endlich fündig geworden. Beschreibung, Screenshots und Downloadlink – alles dabei, perfekt! Testen wir doch mal! Er kann seine Vorfreude kaum verbergen und wählt in seinem Serverbrowser einen unbekannten Publicserver aus. „Nur mal testen, ich tu ja keinem weh damit!“ – sagt er sich und nimmt sich fest vor, nach der Versuchsphase die Cheatsoftware sofort wieder von seinem Rechner zu verbannen. Schließlich will er nur wissen, welche Mogelmöglichkeiten es inzwischen gibt und auf was man sich gefasst machen muss.
Unsterblichkeit, wiederkehrende Gesundheit, durchsichtige Wände, automatisch zielendes Fadenkreuz und frei gestaltbare Gegnermodels – nicht schlecht, ein völlig neues Spielgefühl. Innerhalb weniger Runden schafft er es auf den ersten Platz auf dem Scoreboard des Publicservers. Die ersten Lobpreisungen kommen, ebenso wie Rekrutierungsversuche fremder Clanspieler. Und das Beste dabei ist, keiner hat seinen Betrug bemerkt.
Das Glücksgefühl überwiegt sein schlechtes Gewissen
Klar, die Ausschüttung des Botenstoff-Cocktails in seinem Gehirn ist Schuld. Während Dopamin, Serotonin und Noradrenalin bei ihm einen leichten Rausch auslösen, rückt die Zeit bis zum Match immer näher. Keine Zeit – keine Zeit, das nunmehr verseuchte Counterstrike von der Platte zu putzen und gegen eine saubere Version zu ersetzen. Dem Team absagen kommt nicht in Frage. Bleibt also nur die Option, mit dem „verbesserten“ Counterstrike teilzunehmen, allerdings mit dem Risiko, vom Anticheat-Programm des Ligabetreibers erwischt zu werden. Also was soll’s? Er entscheidet sich, alles auf eine Karte zu setzen und im Falle des Falles, von den „Verbesserungen“ Gebrauch zu machen. Sollte die Anticheat-Software seine veränderte Version entdecken, ist es doch völlig egal, ob er die Cheats tatsächlich genutzt hat, oder nicht. Erwischt ist erwischt!
Zurück zur Ausgangssituation
[SCREEN:1] Es kommt, wie es kommen musste. Die letzte und entscheidende Runde steht an und sein Team liegt mit knapp hinter dem Gegner. Jetzt nur nicht nervös werden. Zielgerichtet sprintet er zum Bombenplatz, um sein „Geschenk“ abzugeben. Doch er ist unvorsichtig und vergisst, die Deckung zu suchen. Dumpf schlägt der erste Schuss des gegnerischen M4 auf der Rüstung auf, seine Gesundheit sinkt auf ein Minimum.
Reflexartig tippt der die Tastenkombination für den Gottmodus ein. Wieder schlagen zwei Kugeln ein, diesmal sind es direkte Kopftreffer. Doch er geht nicht zu Boden. Im Gegenteil, ruhigen Blutes nimmt er seinen Gegner ins Visier und streckt ihn nieder. Danach folgt er wieder dem Pfad seiner Mission und legt sein Päckchen am Bombenplatz ab. Seine Teammitglieder haben nicht soviel Glück und fallen einem nach dem anderen der Anti-Terroreinheit zum Opfer.
In einem letzten Funkspruch erfährt er, dass die letzten zwei Counterterroristen bereits auf dem Weg sind, um die Bombe zu entschärfen. Ihm bleibt nicht viel Zeit, seine Gegner zu suchen. Wallhack! Er schaltet die Wände auf durchsichtig und entdeckt sofort den Counterterroristen hinter einer Mauer. Drei Schuss Kaliber 7.62mm sind nötig, um den Gegner auszuschalten – aber alle haben ihr Ziel chirurgischer Genauigkeit erreicht. Das ausgeschüttete Adrenalin überwältigt den Verstand und fast aus Hohn wird der letzte verbliebene Gegner mit dem Messer niedergemeuchelt. Das Match ist gewonnen, das Team glücklich und der Gegner verdutzt.
Was folgt, darf sich jeder selbst ausmalen.
Glubschi
*Schnüff*
keine ATI karten mehr? aber das darf doch nich sein. *tränenzurückhalt*
Sodan
nieder mit dem gesindel

5/5
böse cheater ...
ich finds selbst in single-player spielen sinnlos ...
aber richtig fies ist es wirklich in multiplayerspielen
ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das dann noch spaß machen soll.
btw. netter artikel
Torsten
Danke fürs Lob
Wobei ich mich nicht erinnern kann, jemals bewusst über einen Cheater gestolpert zu sein.
Hat auch echt Spaß gemacht, sich mal damit zu befassen. Ich muss aber zugeben, dass ich schon ewig nicht mehr Counter-Strike gespielt habe - die Szenerie musste ich also tief aus meinem Gedächtnis ausgraben.
Master91
joa
is ganz ok wär aber unfair wenn jemand des im multiplayer benutzen würd ich lass die finger von
RapidRaver
Straftat? Quatsch!
Ich finde dass Cheaten im Internet scheiße ist, aber trotzdem kann man dafür doch keinen verklagen! Viel zu übertrieben! Das ist wie als wenn dir einer auf den Fuß tritt!
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