Bierfalle und Treppengespenst auf der Junien
Nachbericht zur Junien
Die Junien 11. ist vorbei und ich bin so fleißig und versuche mich mal einem Review.
Sticker für mein Lanparty-Sammelheft
Da ich am Freitag noch auf einem IFNG als IT-Kraft eingesetzt wurde, kam ich erst gegen halb 2 Uhr in Hagen an und habe so die "Vorparty" und das große Schleppen verpasst. Die Location sah schon von außen sehr imposant aus, da sich direkt hinter der Halle eine steile Bergwand auftürmt. Auf dem Parkplatz angekommen, musste ich unbedingt Sascha anrufen, damit der mir beim Schleppen hilft – schließlich bin ich ja nicht mehr der Jüngste. Ich musste mich aber erst zum Loginschalter vorkämpfen, der übrigens durchgängig besetzt war, um mich anzumelden. Dort bekam ich dann auch zwei Sticker, um die Junien offiziell als Abschuss auf meinem Rechnergehäuse zu dokumentieren. Außerdem gab’s dazu noch ein orangenes Band, das mich dazu qualifizerte, zertifizierte und akkreditierte, der Junien beizuwohnen. Hastig klebte ich die Sticker auf Monitor und Tower, damit sie mir ja keiner unterm Arsch wegmopst. Schnurstracks pendelte ich also zwischen Halle und Fahrzeug hin und her, um endlich die vorgebuchte Homebase vollständig mit meinem Equipment auszurüsten. Dabei fiel mir übrigens eine nicht unbekannte Treppe auf. Genau, die Treppe! Einer der Eckpfeiler der Lanparty.de-Geschichte, Zeitzeuge und Corpus Delicti zugleich. Auch ich war versucht, mich hier lang zu legen und meiner foodalen Kreativität freien Lauf zu lassen. Aber nein, das käme einer Schändung eines geschichtlichen Artefakts gleich – und so ließ ich die Treppe Treppe sein und begab mich zur Halle.
Beerkeeper und Platzparker
Irgendwie wanderte mein Blick direkt auf den Thekenbereich, und, wie mir schon im Vorfeld zu Ohren kam, war diese kleine Oase für gestandenen Zocker auch ordentlich „gefüllt“. Auch hier stahl ich mich erstmal vorbei und lenkte meine Schritte ohne Umschweife auf die mächtige Holztür, welche die heiligen Kammern Hagens verbarg. Nachdem sich diese Pforte für mich öffnete, konnte ich im Schatten der Dunkelheit eine festlich beleuchtete Bühne ausmachen. Angestrahlt vom tanzenden Licht einiger Movingheads wurden hier die kommenden Wettkämpfe der Cyberkrieger auf die Leinwand gebannt.
Aber irgendwie beschlich mich das Gefühl, ich hätte da was vergessen. Richtig, mein Automobil stand nach dem Abladen immer noch in der kritischen Ausladezone. Wer hier seinen Aparillo nicht schnell genug wegpflanzt, bekommt das Ding in der folgenden Woche nach Hause geschickt … als Postkarte – hab ich gehört. Nachdem auch das geschafft war, ging ich direkt über Los zur Bar und zog ne Runde Pils ein. Für 1.25€ die Pulle +25 Cent Pfand für feinstes Herforder kann man, denke ich, auch von einem fairen Preis reden. Beim Zuführen der flüssigen Broteinheiten unterhielt ich mich natürlich mit dem anderen Bar-Inventar und bekam so mit, dass ich durch meine Verspätung dummerweise ein überaus beeindruckendes Intro verpasst habe. Schade. Von Strom- und Netzwerkausfällen bekam ich leider auch nichts mit, es gab nämlich keine.
Prima Klima
Zurück am Platz fiel mir auf, dass das Klima durchaus angenehm für eine Lanparty war - trotz der Freigabe für Nikotinjunkies, am Platz rauchen zu dürfen. Nur mit meinem Sitzplatz war ich nicht zufrieden, ich saß nämlich dummerweise direkt an der Außenkante unserer Tischreihe und somit direkt am Durchgang. Die Kameradenschweine nutzten das natürlich voll aus und spielten „Rate, welcher Gegenstand da grad gegen deinen Rücken rummst“ mit mir. Allerdings habe ich die letzte Spielrunde am Samstag gewonnen und erriet ganz richtig „Das ist bestimmt der Backbone!“. Als Hauptpreis steht mir nun lebenslang freier Eintritt auf der Junien zu. Nun ja, schlussendlich hätte man auch einfach den Durchgang breiter machen können…oder ich mich dünner.
Als ich endlich den feierlichen Akt vollzog, meinen Stöpsel in die vollendet schöne Buchse der Datenverteilerin zu stecken, lag mir das Intranet zu Füßen. Respekt, ein derartig schnelles Intranetsystem kannte ich bis dato von keiner Lanparty. Neugierig und erstaunt, schnappte ich mir irgendwann später den schlauen Griffon (der geistige Vater vom Dotlan System) und versuchte mit militärisch erprobten Befragungstaktiken herauszufinden, wo er den Turbo für das Netzwerk eingebaut hat.
Von Holz- und anderen Fällen
Da auch ich mich der breiten ääh spielenden Masse anschließen wollte, schrieb ich mich also für das „Ruf nach Zoll: 2“-Turnier sowie für das „Weltkonflikt“ –Spiel ein. Bei ersterem war ich etwas enttäuscht, dass es sich nicht – wie der Titel einem suggeriert – um eine Wirtschaftssimulation handelte. Aber da mir mein Team metaphorisch zu erklären versuchte, dass es um so etwas wie „Steuerprüfer kämpfen gegen Einzelhändler“ geht, begriff ich endlich das Spielprinzip und konnte schnell erste Erfolge verbuchen. Leider hangen die meisten Turniere dermaßen Ihrem Zeitplan hinterher, dass es sehr schwer war, einen passenden Spieltermin mit seinem Gegner zu finden, da dieser sich für gefühlte 10 Turniere gleichzeitig angemeldet hatte und andauernd am Spielen war. Etwas entmutigt schluckte ich also meinen Frust darüber mit ein paar Pils hinunter, um dann etwa gegen 4 Uhr mein Schlaflager aufzuschlagen.
Den eigentlichen Schlafraum für meine Augenpflege zu nutzen, stellte sich als eine sehr dumme Idee heraus. Denn irgendwie muss zeitgleich in der Stadt ein internationales Holzfällertreffen stattgefunden haben, dessen Mitglieder nun alle in just diesem Schlafraum gepennt haben. Eine Stunde und zehn gefällte Regenwälder später kam ich zum Entschluss, dass Schlafen am Platz wohl doch cooler wäre. Keine vier Stunden später wurde das Wecksignal eingeläutet. Auf dem Beamer liefen nette Videos, um die Stimmung in der Halle wieder in Richtung Zenit zu treiben. Auch meine Jungs von den Wildefingerspielen krochen so langsam aus ihren Löchern – auf der Suche nach Zigaretten und Kaffee. Für uns war die Körperhygiene durchaus ein wichtiger Punkt, weswegen wir uns flugs auf zum Duschcontainer begaben und dort erstaunt feststellten, dass wir es noch vor den übrigen 593 Junien-Spieler geschafft haben.
"Es gibt Tage da verliert man, und es gibt Tage, da gewinnen die anderen."
So frisch und duftend wurden wir dann natürlich auch zum Frühstücksraum durchgelassen. Dort gab es für 1,50€ zwei große und leckere belegte Brötchen – was sogar preiswerter als bei manchem Kölner Bäcker ist. Die Turniersituation hat sich inzwischen eher verschlechtert, während unsere Spiele stockten, waren die meisten gerade mittendrin, ihre Wettkämpfe weiterzuspielen. Das hat wiederum den Nachteil mit sich gebracht, dass kaum ein Public-Server zum Daddeln halbwegs gefüllt war.
Gegen 12 Uhr hat sich dann endlich mal unser Gegner dazu herabgelassen, das noch ausstehende Match mit uns zu spielen. Dass er uns hat warten lassen, sollte er bitter bereuen und so haben wir ihn in zwei Maps „Ruf nach Zoll: 2“ ordentlich nass gemacht – der wird nie wieder was verzollen. Im nachfolgenden Match wurden wir allerdings von unserem Gegner ins Loserbracket geschickt. Was mein Weltkonflikt-Spiel angeht, musste ich mich kampflos geschlagen geben. Das ollen Teil ließ sich leider nicht patchen.
16 Uhr war es dann endlich soweit, endlich Stimmung, endlich Beifall, endlich – der prophezeite, obligatorische Netzwerkausfall, wie man ihn eigentlich auf jeder Lanparty vorfindet. In regelmäßigen Abständen fiel das Netzwerk in den einzelnen Reihen aus. Wir stoppten dabei die Zeit um zu prüfen, wie lange das Junien-Team in diesem Contest braucht, um den Funktionszustand wieder herzustellen. Operation „Tausche BigIron gegen 2x Summit 28“ war ein voller Erfolg und wieder einmal hat das Junien-Team bewiesen, dass man mit Konzentration und Kompetenz auch die größten Probleme lösen kann. Loben muss ich dabei auch, dass man sich als Teilnehmer steht gut informiert fühlte. Bei interdisziplinären Problemen half auch mal der Theker als Vertrauensperson.
Zu unserer Schande muss ich zugeben, dass wir auch mit funktionierendem Netzwerk aus dem Loserbracket rausgeflogen sind. Um die Enttäuschung darüber zu vergessen, beschlossen wir spontan zu grillen. Da vom Vorabend noch Kohle und ein Grill über war, fuhren wir schnell in den nächsten Supermarkt um uns mit dem zu versorgen, was echte Männer nun mal essen – totes Tier. Nach einer Stunde in der Kälte (nein ich will mich ja wirklich nicht beschweren, aber es hätte ruhig noch ein Müh kälter sein können, dann hätten wir uns die Eiswürfel fürs Pils gespart) konnte dann auch endlich gegessen werden. Ein paar Flaschen „Grashüpfer Bier“ wärmten uns dabei von Innen.
Carsharing mal anders
Im Hintergrund konnte man sehr deutlich die motorisierten Bobbycars hören. Dieses Spektakel schauten wir uns selbstverständlich aus der Nähe an. Denn es ist schon sehr imposant zu sehen, wie Männer mittleren Alters auf einem kleinen Bobbycar sitzen und mit ca. 30km/h über den Parcour heizen. An der Theke herrschte eine ausgelassene Stimmung und auch bei uns floss das ein oder andere Bier die Kehle herunter. Als nächstes Special stand das Bobbycarturnier auf dem Plan. Auch hier ging es hoch her. Vor allem das Advanced Turnier sorgte für Stimmung. Hier wurde das BobbyCar um einen Kasten Bier auf einem kleinen Anhänger erweitert. Die Teilnehmer gaben alles und so gab es am Ende einige glückliche Sieger.
Gegen 00 Uhr wurde die Anmeldung für das Tüten-Quake Turnier eröffnet. Wir nahmen natürlich auch daran teil. Durch meine eleganten Ansagen wurde es am Ende sehr spannend und wir belegten knapp den 3. Platz. Es hätte sogar fast für den ersten Platz gereicht, aber leider fielen wir am Anfang zu oft von der Map herunter. ;-)
Da wir mittlerweile doch einigermaßen angetrunken waren, wollten wir uns gute Plätze im Schlafraum sichern. Denn einige von uns mussten am nächsten Tag fit fürs Autofahren sein. So lag ich diesmal um halb 3 im Schlafraum und konnte entspannt schlafen da, es dort wesentlich ruhiger war als die Nacht zuvor. Gegen 10 Uhr standen wir dann auf um noch unsere Medaille abzuholen. Leider war das komplette Turnierteam noch beim Schlafen – also fingen wir langsam an mit dem Abbau.
Nachdem wir uns bei allen verabschiedet hatten verließen wir gegen 11Uhr die Halle (natürlich mit Medaille um den Hals) um die Heimfahrt anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt liefen noch einige Turniere, was auch einer der größeren Mankos an der Junien war. Es gab ein großartiges Rahmenprogramm, jedem wurde etwas geboten. Auch das Catering war sehr günstig und schmackhaft. Es gab sogar einen mühevoll organisierten Netzwerkausfall. Strom war ausreichend für alle da und darüberhinaus es gab sogar Internet (nach vorheriger Anmeldung im Intranet). Das Dotlan-System von Griffon lief durchgehen höchst performant und war gewohnt bequem zu bedienen.
Nach allem kann man sagen, dass die Junien eine, wenn nicht sogar die beste Lanparty in Deutschland ist, wenn man nicht auf Turnierpreise geil ist und sehr viel Spaß auf einer LanParty erleben möchte.
Erlebt von Andre 'Nemix' Braun - erzählt von Torsten Schmidt
Khabarakh
.
Zitat
Auf dem Beamer liefen nette Videos, um die Stimmung in der Halle wieder in Richtung Zenit zu treiben.Auf der Zenith war die Stimmung aber eher durchwachsen :)
BetrayaL
Bescheidene Frage
Mal ne Frage. Was isn mit "Ruf nach Zoll 2" gemeint? Ansonsten tolles Review. Bitte mehr davon!
Khabarakh
bescheidene Antwort
"Call of Duty 2" würde ich sagen, auch wenn das ne ziemlich gewagte Übersetzung ist.
Torsten
Jepp, richtig Khabarkh
Es gibt ungefähr hust*zig verschiedene Übersetzungen für das Wort "Duty". Und ich hab natürlich das passendste genommen. *g*
stiefel
.
Ich denke auch mal das damit CoD 2 gemeint is
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