Dennis "styla" Schellhase über seine Lust an Lanparties



Dennis

Interview mit einem der Fifa Twins






Jeder Fan des esportlichen Fussballs kennt sie und weiß, was sie können. Gemeint sind die Fifazwillinge Daniel 'hero' Schellhase und sein Bruder Dennis 'styla' Schellhase. Dieses Wochenende haben wir Dennis auf der Maxlan in Meppen gesichtet und uns einen Abend lang mit ihm über seine Karriere im eSport, seine privaten Ziele und natürlich auch über seine Lust an Lanparties unterhalten.

Auf der MaxLan


Hallo Dennis. Auf eine ausführliche Vorstellung können wir sicher verzichten. Also lass uns gleich loslegen. Vor kurzem konnte man in einer Schlagzeile lesen, dass du und ein Bruder plant, nach der aktuellen ESL ProSeries aufzuhören. Was ist der Hintergrund?

Dennis: Da wir in kürze unser Studium abschließen und dann ins Berufsleben einsteigen werden, müssen wir im eSport-Bereich einfach kürzer treten. Allerdings sind unsere Planungen noch nicht ganz abgeschlossen. Ich selber tendiere eher dazu, noch bis zum Ende der ProSeries 2010 weiterzumachen.


Du scheinst also noch einen Gedanken im Hinterkopf zu haben. Was bestärkt deine Entscheidung, noch bis 2010 weiterzumachen?

Dennis: Natürlich ist es irgendwo ein finanzieller Aspekt. Es ist aber auch einfach die ganze Truppe um die ProSeries, sk gaming und Co, die man liebgewonnen hat. Es ist einfach das ganze Drumherum, das Feeling. Es hat mir immer viel Spaß gemacht.


Ist der eSport somit auch (d)eine Alternative zum Studentenjob?

Dennis: Ja, so könnte man das sagen. Hätte ich nicht das professionelle Spielen angefangen, wäre ich in irgendeinem Klamottenladen oder bei McDonalds, um das Studium zu finanzieren. Jeder weiß ja, was so etwas heute kostet.


Lassen wir das einfach mal so stehen und schauen mal aufs „Private“. Was verschlägt dich hier zu uns auf die Maxlan? Wie entscheidest du, auf welche Lanparty du fährst? Und vor allem - warum bist du heute mal alleine hier?

Dennis: Wir fahren eigentlich sehr regelmäßig auf Lanparties. Daniel ist nur zurzeit auf einer andren Veranstaltung eingespannt, sonst wären wir auch hier zu zweit. Interessant für uns sind immer Veranstaltungen, auf denen man WWCL Punkte sammeln kann. Das FIFA Turnier sollte dann auch außerdem noch recht gut besucht sein. Es bringt mir ja nichts, wenn ich auf einer Lanparty FIFA gegen ein oder zwei Teilnehmer spiele und dann das Turnier beendet ist.

Weiterhin schaue ich ein wenig auf das Umfeld der LAN. Sind ausreichend sanitäre Anlagen vorhanden? Ist das Catering akzeptabel? Die Entfernung spielt auch eine wichtige Rolle. Ich fahre  nicht quer durch die Republik. 400 Km habe ich mir als Limit gesetzt. Und natürlich schaue ich auch auf den Preis. Wenn ich 35 Euro nur für den Eintritt zahlen muss, ist für mich die Grenze schon weit überschritten.


Auf der MaxLan


Du bekommst aber doch von sk gaming den Eintritt und die Hotelkosten erstattet?

Dennis: Jetzt müssen wir unterscheiden zwischen LANs auf die ich privat mit Freunden fahre und Veranstaltungen, auf die ich „beruflich“ fahre. Ich habe immer die Möglichkeit ins Hotel zu fahren. Das ist kein Problem. Aber ich finde es auch nicht weiter schlimm auf der LAN selber zu schlafen. Ich habe meine Matratze und meinen Schlafsack – das reicht völlig aus. Das gehört für mich auch einfach zum Lanfeeling dazu. Das ist auch auf größeren Veranstaltungen der Fall. So habe wir schon alle zusammen in einem sk Office übernachtet anstatt im Hotel. Das ist einfach richtig kultig.


Kultig ist eine gute Einleitung zu meiner nächsten Frage. Was macht eine Lanparty für dich kultig? Was muss sie deiner Meinung nach unbedingt bieten?

Dennis: Die Location sollte ordentlich gewählt werden. Nicht jede Halle ist dafür geeignet. Es muss einfach gemütlich sein. Was sicherlich auch jeder anders empfindet. Für mich sind auch die etwas kleineren LANs viel interessanter. Ich mag einfach dieses familiäre Umfeld. Jeder kennt jeden. Man knüpft schneller Kontakte. Das gemütliche Feeling macht einfach sehr viel aus. Auf großen LANs ist es einfach sehr anonym.
Wichtig ist auch ein gewisser Funaspekt. Man muss sich auch neben dem PC gut unterhalten können. Es gibt mittlerweile fast überall Konsolenecke mit allen gängigen Spielen. Einige LANs haben größere Aktionen - teilweise sogar vor der Tür, also outdoor. Abwechslung ist immer wichtig. Man kann nicht nur das ganze Wochenende zocken. Man verliert dann irgendwann den Spaß.


Damit wären wir bei der allgemeinen Situation in Deutschland. Wie siehst du die Lanszene? Wie wird die sich in Zukunft, nach deinem Sichtwinkel, noch entwickeln?

Dennis: Ich denke diese großen Events werden gänzlich verschwinden. Wie schon gesagt ist mir das alles viel zu anonym. Ich habe lieber was Gemütliches. Wir werden in Zukunft viele LANs im Bereich von 200 bis 300 Teilnehmern und die etwas größeren mit 700 bis 1500 Teilnehmern sehen.
Bei den großen LANs ist das meiner Meinung nach immer sehr unübersichtlich. Die Turniere sind sehr umfangreich und man hat oft Schwierigkeiten pünktlich durchzukommen. Das geht viel besser bei den kleinen Veranstaltungen.


Man braucht also mehr Zeit auf  LANs. Zum Beispiel einen vierten Tag wie bei Northcon oder Dimension 6?

Dennis:  Eigentlich ja. Andererseits verhält sich das wie mit dem Wochenurlaub auf Malle. Nach 4 Tagen muss man einfach mal einen Tag Ruhe haben. Bei Lanpartys ist das noch extremer denke ich. Man hat bei 4 Tagen einfach irgendwann die Schnauze voll und macht das dann nicht wieder mit.


Auf der MaxLan


Solche LANs funktionieren in Schweden und Skandinavien ausgesprochen gut. Wieso in Deutschland nicht?

Dennis: In Skandinavien ist das finanzielle Verhältnis besser. Die Leute haben mehr Geld. In Deutschland können sich längst nicht alle eine LAN für 38 Euro das Wochenende leisten. Hinzu kommen ja noch Anreise und Verpflegung. Es wird einfach irgendwann zu teuer.


Schauen wir noch mal kurz auf das Drumherum der Veranstaltung. Wie stehst du zu den „störenden“ Durchsagen, Musik von Konsolen, Lärm vom Karaoke und ähnlichen Störungen.

Dennis: Das stört mich nicht weiter. Ich kann das beim Spielen ausblenden. Wenn ich nicht gerade spiele, finde ich das sehr angenehm. Ich höre mir die Durchsagen an. Es gibt immer wieder interessante, witzige Ansagen. Und wie sonst sollte man Informationen schnell und einfach verbreiten. Auf den Beamer schaut längst nicht jeder.


Macht so etwas einen „Progamer“ aus? Ist es das "Sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren zu können und das Umfeld ausblenden zu können - komme was wolle"?

Dennis: Ja, auch. Allerdings sollte man auch unterscheiden. Es gibt für mich den Funspieler. Dem ist so etwas in der Regel egal. Er spielt nicht um wichtige Punkte oder um Ruhm und Ehre in dem Sinne. Weiter gibt es den ambitionierten Spieler. Er „kämpft“ gerne gegen andere Spieler/Teams. Für ihn ist es wichtig, dass er sich mit anderen Spielern messen kann. Es geht hier aber noch nicht um das richtig große Geschäft. Hier fühlt man sich sicherlich hin und wieder gestört. Aber wer gut spielen will, der muss sich dadurch nicht stören lassen.


Auf der MaxLan



Wo fängt für dich also der ProGamer an?

Dennis: Der Progamer ist nichts weiter als ein sehr ambitionierter Spieler. Er muss allerdings einiges zurückstellen können. Das Privatleben kommt sehr oft zu kurz. Man muss den Kopf frei machen können.

 
Wie machst du dir den Kopf frei und was machst du Abseits des Rechners?

Dennis: Ich spiele selber Fußball im offensiven Mittelfeld. Über den Fußball selber bin ich auch erst zu FIFA gekommen. Dieser Ausgleich ist sehr wichtig. Auch am Wochenende rausgehen, sich mit Freunden treffen – sofern Zeit ist – ist mir sehr wichtig.


Auf der MaxLan



Da fällt mir folgendes ein: Du spielst seit 2003 FIFA. Was würdest du zur Entwickelung des Spiels sagen? Wie hat es sich im Laufe der Zeit verändert?

Dennis: Das Spiel ist vor allem schneller geworden. Früher hatte man feste Punkte von denen man das Tor 100 prozentig getroffen hat. Es war sehr scriptlastig. Man konnte sehr offensiv spielen. Heute ist es sehr defensiv geworden. Die Kunst bzw. das Können war es, zu den Punkten zu kommen, von denen man das Tor schießen kann. Man versuchte mehrere Wege. Das machte den FIFA Spieler aus. Immer neue Wege zu  diesem Punkt zu finden. Während man früher mit einem 3:0 oder 4:0 immer noch schnell untergehen konnte, hat man heute mit einem 2:0 schon relativ sicher gewonnen. Es fallen nicht mehr so viele Tore.


Das Spiel ist also für den Zuschauer interessanter geworden und der Spieler kann nicht mehr so schöne Spielzüge machen?

Dennis: Ja und Nein. Man arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Mit einem schönen Fernschuss ist es einfach nicht so wahrscheinlich, dass der Ball ins Tor geht. Also macht man es auch nicht mehr. Da geht ein wenig Attraktivität für den Zuschauer verloren. Man muss einen Mittelwert finden. Es muss für beide Seiten spannend und attraktiv sein. Da könnte man noch einiges ändern. Es muss in gewisser Weise unberechenbar sein, aber auch der „Skillfaktor“ darf nicht verloren gehen.


Vielleicht noch ein paar Worte von dir zum eSport in Deutschland allgemein. Du bist ja schon einige Zeit dabei. Was würdest du für die Zukunft erwarten?

Dennis: Der eSport an sich wird in den kommenden Jahren immer weiter wachsen und an Bedeutung hinzugewinnen. Langsam aber kontinuierlich. Man sieht schon jetzt, dass bei den großen Events das Breitenfernsehen immer mehr präsent ist. Man wird sehen wie es sich entwickelt. Es steckt aber einiges an Potential im eSport.


Als letzte Frage: Nehmen wir an, dieses Jahr am Ende der ProSeries hört ihr auf, was wäre dann für dich das schönste bzw. herausragendste Erlebnis deiner Laufbahn im Profibereich?

Dennis: Das war 2003 die WCG. Ich hatte mich für das National Final in Leipzig qualifiziert und bin eigentlich mit dem Gedanken hingefahren: „Jetzt haste dich qualifiziert, mal sehen wie weit du kommst. Just for fun.“ Ganz frei und ohne Erwartungen bin ich hingefahren und habe dann die Gruppenphase überstanden. Als ich auch noch die KO-Runde überstand, änderte sich alles schlagartig. Es ging richtig los. Ich flog nach Korea. Das erste mal weit weg. Es lief einfach. Korea war eine tolle Erfahrung. Die Menschen dort können sich einfach für jemanden Begeistern. Es ist egal, woher man kommt. Die Leute jubeln für einen. Ein ganz tolles Gefühl.


Alles klar. Ich bedanke mich, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich wünsche die weiterhin viel Spaß hier auf der Maxlan und viel Erfolg im Turnier. Alles Gute für die restliche Zeit als „Profi“.


Das Interview führte Florian "Junkie" Bethke.



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