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am 13.10.2009 um 15:18 Uhr
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Gamersglobal - Die Gründer im Interview

GamersGlobal - Ein Web2.0 Mitmach-Magazin

Gamersglobal.de soll eine neue Ära der Online-Spielemagazine einleiten. Die Macher versprechen ein Portal, dass soviel Interaktivität bietet, dass engagierte Leser zu Redakteuren werden können und Hand in Hand mit profesionellen Journalisten eigene Inhalte veröffentlichen dürfen.


Gamersglobal Redaktionsteam

Hi Jörg. Laut Countdown-Timer sind es nur noch eine handvoll Stunden, bis eure neue Plattform Sendebereit für den digitalen Äther ist. Auf einer Nervositäts-Skala zwischen 1 und 10 (wobei 1 = Schildkröte auf Valium und 10 = Paris Hilton, als sie sich selbst auf Youporn entdeckt, als Messelatte angesetzt wird), wo stehst du da gerade? Und wie stehts mit deinen Kollegen?

Jörg: Also, ganz ehrlich: Eher bei einer 8 als bei einer 10. Ich habe mich damit abgefunden, dass wir noch mit einigen fehlenden Sekundärfeatures starten werden, das noch einige Bugs im System sein dürften, weiß aber gleichzeitig durch unseren Betatest, dass im Großen und Ganzen alles laufen sollte.

Armin: 1. Das System läuft und 2. schreiben wir trickreich "Final Beta" drunter.


Jörg, du bringst Berufs-Erfahrung aus dem Bereich der Printmagazine mit, konzentrierst dich aber offenbar mit deinem neuen Projekt rein auf den Onlinemarkt. Haben Printmagazine deiner Meinung nach etwa ausgedient?

Jörg: Nee, auf keinen Fall. Aber sie werden sich bei der Auflage einpendeln, die etwa in England schon lange normal ist: Etwas oberhalb von 100.000, etwas unterhalb von 100.000 -- je nach Verlag, Thema und Qualität. Online mache ich aus zwei Gründen: A) Liebe ich Feedback und bekomme gern gesagt, wenn ich einen tollen Artikel schreibe (weniger gern bekomme ich sagt, dass ich einen Mist-Artikel geschrieben habe - aber immerhin kann ich durch Feedback den Artikel noch ergänzen). Und B) stecke ich zwar einiges Geld in die Entwicklung und den Betrieb von gamersglobal.de, aber ein gescheites Printheft könnte ich mir schlicht nicht leisten.

Armin: Spiele-Printhefte waren schon immer mehr als nur der Text, ich denke da vor allem an die beigelegten Datenträger. Für Medien und Demos ist Online die bessere Plattform. Ich lese immer noch gerne Print, aber Online ist einfach das modernere, interaktivere Medium.

 

Gamers Global Website
Das Gesicht von GamersGlobal


Okay, das beruhigt mich. Ich hatte schon Sorge, mich demnächst von meiner Klo-Lektüre trennen zu müssen. ;-) Gibt es denn Vorstellungen eurerseits, Gamersglobal auch als gedruckte Ausgabe anzubieten, sobald euer Projekt erfolgreich genug ist?

Jörg: Pssst!!!!!!!!!

Nee, im Ernst: Aktuell nicht, und ich sehe auch keinen tieferen Sinn, etwa die 100 letzten News noch mal aufzuwärmen, um damit ein Printheft zu machen. Und wir haben bei gamersglobal.de viele Elemente, die einfach nur online funktionieren. Aber wer weiß? Vielleicht mal einen Themenschwerpunkt-Sonderheft, in ferner Zukunft?


Gamersglobal klingt ja nach einem reinen Gamermagazin. Habt ihr auch vor, Themen abseits vom Spielemarkt unterzubringen?

Armin: Wir werden sicher nicht nur Spiele allein abdecken, sondern auch Themen, die darum herum gruppiert sind. Was weiß ich, eine Filmumsetzung, wichtige technische Geschichten, neue Betriebssysteme. Aber wir wollen uns auf das konzentrieren, was wir besonders gut können, also wir werden kein ign.com werden mit ihrem (guten!) „Rotten Tomatoes“ und ähnlichen Derivaten.

Jörg: Sehe ich genauso.


Um unter dem großen Angebot von Spieleplattformen nicht unterzugehen, muss man irgendetwas Besonderes an sich haben. Damit meine ich nicht technische Spielereien oder Konzepte, sondern will darauf hinaus, was euren Schreibstil und eure Philosophie angeht. Auf was legt ihr bei euren Schreiberlingen besonderen Wert?

 

Armin Luley

Armin Luley betreut 
einige Fansites und
kümmert sich um den
Bereich "Rollenspiele".
Jörg: Wir stehen für Qualität. Wir wollen nicht jeden Mist bringen - können wir mit unserer kleinen Redaktion auch erstmal gar nicht. Es wird keine 3-Screenshots-Previews geben, wie ich sie bei GameStar verantwortet habe, und wie sie praktisch alle Print- und Online-Hefte machen. Wir wollen uns Mühe geben bei unseren Artikeln, Sachen lange genug spielen. Das ist jetzt erstmal alles auf die interne Redaktion bezogen.

 

Armin: Was die User-Beiträge anbelangt, ist uns wichtig. dass sie kein „Copy&Paste“ betreiben, dass sie Quellen nennen, dass sie Gerüchte nicht als Wahrheiten verkaufen, richtig zitieren und so weiter. Und dabei wollen wir ihnen helfen, das heißt wir geben Feedback, schalten News auch mal nicht frei, stellen Nachforderungen, bevor wir aus einer News eine "Top-News" machen.


Das heißt, ihr habt sicher bereits feste Redaktionsrichtlinien ausformuliert. Wenn man sich also bei euch als Redakteur engagieren möchte, was muss man mitbringen?

Jörg: Redaktionsrichtlinien gibt es, in Form eines "So schreibe ich gute News"-Artikel und eines zweiten, der generell GamersGlobal.de ein wenig vorstellt. Ich bin mir dabei schon bewusst, dass das auf den ersten Blick sehr einschränkend wirkt, aber wir geben in höheren Rangstufen den Leuten immer mehr Rechte - bis hin dazu, dass sie irgendwann mitbestimmen können, welche Artikel wir auf der Startseite groß verkaufen, also mithin auf unserem "Cover"!

Armin: Mitbringen sollen unsere User Freude, Spaß an Spielen, Ahnung in ihrem Spezialgebiet, und sicher auch eine gewisse Kritikfähigkeit -- denn wie gesagt, Feedback wird es von uns geben.

Jörg: Wobei wir ja keine Website nur für diejenigen machen wollen, die tatsächlich aktiv mitmachen - wir wollen zunächst einmal eine spannende Website für alle machen, die sich gerne über Spiele informieren. Wieviel Prozent dann "angemeldete" User sind, die einige Ränge nach oben klettern, um etwa bei Gewinnspielen mitzumachen - aber sonst keine großen Ambitionen haben, und wieviel Promille zu regelmäßigen Schreibern werden, das weiß ich nicht. Aber die passiven User werden sicher in der deutlichen Überzahl sein.

 

»Ich stelle mich im Fall "Finster" vor die Haustüren unserer 10 User und singe so lange, bis sie wieder etwas schreiben!«


Was die aktiven Mitmacher betrifft, wo liegen denn da eure Erwartungen bis Ende diesen Jahres? Welche Zahl an Schreibern haltet ihr denn für realistisch?

 

Jörg: Ganz ehrlich: Ich habe nicht die geringste Ahnung. Im Betatest, an dem insgesamt so 70 Leute mitgemacht haben, hat ungefähr die Hälfte aktiv mitgemacht, die anderen haben eher Bugs gesucht und so. Aber das lässt sich sicher nicht auf die öffentliche Site übertragen. Ich hoffe aber schon, dass wir nicht am 1 - 9 - 90 - Verhältnis  kleben werden, dass angeblich bei digg.com und Co. so herrscht. Wo wir absolut stehen wollen bei den Usern in einigen Monaten, kann ich dir echt nicht sagen.


Habt ihr denn einen Notfallplan, falls es ganz finster aussehen sollte?

Jörg: Was meinst du mit "finster"?


Ich meine den Fall, dass die Anzahl der Schreiber nicht die Anzahl erreicht, die notwendig wäre, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden (regelmäßige News und Testartikel).

Jörg: Wir sind grundsätzlich unabhängig von User-Beiträgen: Wir haben eine interne Redaktion sowie bezahlte Profi-Autoren, die auf jeden Fall neue Artikel schreiben werden. Also Mick Schnelle etwa, Roland Austinat und Anatol Locker. Und ich rede auch mit ein, zwei anderen alten Kumpanen, ob sie nicht vielleicht auch Lust hätten. Aber ich mach mir da überhaupt keine Sorgen, was die User anbelangt. Hier ist eher die Frage, ob unser eigentlicher Traum, durch das Tiefenwissen der Spielefans richtig exklusive News zu bekommen, sofort aufgeht, oder nicht doch nach einer gewissen Zeit, wenn wir die berühmte "kritische Masse" erreicht haben.

Armin: Und ich stelle mich im "Finster-Fall" vor die Haustüren unserer 10 User und singe so lange, bis sie wieder was schreiben!


Es gab bereits viel Positives zu eurem Projekt zu lesen (auf 3Sat zum Beispiel), allerdings gab es auch einen sehr negativen Blogeintrag zu eurem Vorhaben. Wisst ihr, worauf ich hinaus will?

Jörg: Hmm... Meinst du die traurige Geschichte, wo der kleine Jörg nachts freudig erregt auf den viertstärksten "Referrer" laut Server-Log geht am Sonntagabend, und einen bitterbösen Verriss vorfindet?

 

»Man nehme ein Ranking-System, um naive, dumme Amateure mit Schwanzvergleichsbedürfnis zum Schreiben kostenloser Texte zu animieren.«


Ganz genau! In wieweit beunruhigt euch diese Community-erzeugte, negative Publicity?

 

Jörg Langer

Jörg Langer war Gründer der Gamestar und steckt auch als Gründungsmitglied hinter GamersGlobal.

Armin: Es gibt immer gegensätzliche Meinungen. Mit Kritik muss man immer rechnen, wenn man was Neues probiert. Wir werden uns bemühen, unseren Usern ein e tolle Site zu liefern, und es werden eh die User entscheiden, ob sie unser Angebot spannend finden oder nicht. Und sicher ist GamersGlobal.de nicht für jeden das Richtige -- wieso auch?

Jörg: Naja, ich war schon etwas enttäuscht über die arg böse Kritik - immerhin versuchen da mal ein paar Leute, die nicht zu einem großen Konzern gehören, mit hohem persönlichen und übrigens auch finanziellen Aufwand, was Neues zu schaffen. Aber ich hab's uns mit einem arg verkorksten Rund-Mailing auch selbst eingebrockt, fürchte ich.

Also, wir haben über 100 Websites angeschrieben, die wir manuell rausgesucht hatten, aber ich hab's geschafft, durch einen Tippfehler alle mit "Devrim" anzureden. Da dachte natürlich einige, wir hätten ein Massen-Spamming losgetreten. Und einige haben auch nicht verstanden, was ich überhaupt von ihnen wollte.

Einige Fansites haben gedacht, ich will ihnen die Autoren abwerben, oder dass GamersGlobal.de eine Konkurrenz zu ihnen oder zu ihrem Netzwerk werden soll. Das soll es aber gar nicht. Wir wollen eines fernen Tages eine sehr ernsthafte Konkurrenz für die kommerziellen Spiele-Sites werden!

Armin: Aber die meisten Reaktionen waren sehr positiv, wir haben uns echt über den Zuspruch gefreut.


Um  unser Gespräch ein wenig umzuschwenken, gibt es euch bekannte, unabhängige, Spieleseiten, die den kommerziellen, verlangs-gebundenen Spieleportalen das Wasser reichen können - von eurer Warte als professionelle Redakteure aus?

Jörg: Fiese Frage. Es gibt mit Sicherheit Blogs oder Fansites, die für ihre Klientel viel, viel besser sind als jede kommerzielle Website. Es gibt unglaublich talentierte Schreiber da draußen. Und ein Fansite-Betreiber weiß mit Sicherheit nicht weniger über "sein" Spiel als der beste Redakteur bei einer kommerziellen Site, sondern in der Regel mehr.

Aber beides hat seine Berechtigung: Wer sich umfassend informieren möchte, wer nicht nur die subjektive Meinung eines einzelnen will, um sich z.B. vor  einem Spielekauf zu informieren, der ist bei den kommerziellen Sites insgesamt besser aufgehoben. Auch wenn da - meiner ganz persönlichen Meinung nach - keinesfalls jede einen so guten Job macht, wie man es erwarten darf.

Armin: Ich bin beispielsweise ein großer Fan von rpgwatch.com, einer englischen RPG-Fansite. Aus dieser ist zum Beispiel Ralph Wollner als Journalist hervorgegangen ist, der dann zur PC Action gegangen ist.

Jörg: Das ist ein guter Punkt: Was wir den Leuten anbieten, die bei uns schreiben wollen, ist eben, dass sie das im Umfeld mit "echten" Redakteuren tun. Und wer es möchte, wird von uns Hilfestellungen und Schreibtipps bekommen - wo sonst können die schreibenden Spielefans das bekommen?

Wie sieht’s aus mit der technischen Basis eurer Website. Wollt ihr ein paar Worte dazu verlieren?

Jörg: Wir setzen auf Drupal, aber haben das aber extrem stark umprogrammieren lassen, teilweise mit Programmierern aus dem "inneren Drupal-Zirkel". Weil selbst Drupal, das sehr Communty-fokussiert ist, längst nicht alle Funktionen bietet, die wir haben wollten. Also etwa unsere Medaillen-Funktion, oder die 20 Rangstufen, wo dir jede einzelne nicht nur irgendeinen tollen Titel, sondern echte, neue, später sehr tiefgreifende Rechte einräumt.

Bedienungsoberfläche und Verkehrssprache ist Deutsch. Angefangen haben wir mit dem Konzept (das übrigens ganz ursprünglich eine Idee von unserem Hauptprogrammierer, Jan Tomaszewski, war) schon im Frühjahr 2007, und hatten dann zur E3 2007 eine lauffähige englische Version, und sind dann im November 2007 mit gamersglobal.com gestartet. Die gibt's immer noch, wird aber nur noch auf Sparflamme betreut.

Zum einen war gamersglobal.com doch schwerpunktmäßig eine News-Site, zum anderen war die Idee, als Deutsche eine englische Website zu machen, schon ein klein wenig wahnsinnig.

Mit gg.de habe ich ernsthaft im Frühjahr 2008 begonnen, die Programmierung lief seit Herbst 2008.


Allerletzte Frage. Welches Spielemagazin lest ihr, wenn ihr euer Geschäft auf der Toilette erledigt? ;)

Jörg: GAMESTAR!!!!!!!

Armin: Immer die, die gerade die besten Rollenspiel-Artikel hat.



Das Interview führte: Torsten Schmidt
 
Quellen:
- Gamersglobal.de
- joergspielt.de
- Gamer, Blogger, Bauernfänger
- Rotten Tomatoes
- IGN

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