Herr der Ringe: Die Eroberung im Test
Sinnfreies Rumgekloppe oder actionreiches Schlachten-Epos?
Ein Pfeilhagel stürzt auf die Truppen Gondors nieder, schmerzerfüllte Schreie ertönen. Verzweifelt verteidigen die letzten Überlebenden den zweiten Ring Minas Tiriths gegen die gigantischen Heerscharen der Orks. Doch einer nach dem anderen wird grausam erschlagen, nichts kann die bestialischen Wesen unter der Führung der Nazgul aufhalten. Die Dunkelheit droht, die weiße Stadt einzunehmen...
Genau so stelle ich mir die Schlacht um die Hauptstadt Gondors vor. Herr der Ringe: Die Eroberung soll meine Vorstellungen Realität werden lassen und mir darüber hinaus die Chance geben, entweder „Mittelerde zu retten“ oder „zu zerstören“. Doch was sich wirklich dahinter verbirgt und ob Herr der Ringe: Die Eroberung seine Versprechen auch tatsächlich einhalten kann, zeigen wir euch jetzt im Test.

Wer die Einleitung gelesen hat, ahnt es vielleicht schon: Von einem Herr der Ringe-Spiel erwarte ich auch Herr der Ringe-Atmosphäre. Ausgestattet mit der Filmlizenz hatte die Eroberung eigentlich die optimalen Voraussetzungen, um meine Erwartungen zu erfüllen, wenn nicht gar zu übertreffen. Eigentlich? Ja, eigentlich, denn in Sachen Atmosphäre hat mich Herr der Ringe: Die Eroberung auf ganzer Linie enttäuscht. Zu wenige Gegner, eine grausige KI und eine zum Teil miserable Synchronisation lassen keine Atmosphäre aufkommen. Da stürmen Aragorn oder Legolas mit heller Fistelstimme in die Schlacht und Gandalf ankündigt sich so an, als würde er gleich einen Herzinfarkt bekommen. Desweiteren lässt auch die Grafik zu wünschen übrig. Die Figuren sind zwar detailliert dargestellt, doch teilweise hässliche Texturen verderben einem das Spielerlebnis. Einziger Wermutstropfen sind die dafür niedrigen Systemanforderungen.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die vier Klassen. Auch hier hat Pandemic Fehler gemacht und Potenzial verschenkt. Die „guten“ Einheiten unterscheiden sich, abgesehen vom Aussehen, in keinster Weise von den „bösen“ Einheiten. Die Combos der Krieger sind dieselben, die Zauber der Magier weichen nur in der Farbe voneinander ab. Selbst Unterschiede zwischen den Spezialattacken mancher Helden und denen der normaler Einheiten sind teilweise nicht erkennbar.
Verglichen mit dem Balancing zwischen den vier Klassen ist das allerdings noch ein akzeptabler Fehltritt. Mit einer guten Taktik kann es ein Magier oder Bogenschütze sowohl im Singelplayer als auch im Multiplayer mit einer ganzen Horden von Gegnern aufnehmen. Ein Krieger oder Späher hat damit weitaus größere Probleme. Besonders der Magier sticht hervor, kann er doch sich und seine Mitstreiter heilen, was ihm selbst in den brenzligsten Situationen das Überleben sichert. Den anderen Klassen stehen nur Gesundheits-Pickups zur Verfügung. Die regenerieren die Energie aber nur spärlich und werden lediglich von erledigten Gegnern fallen gelassen.

Nach der kurzweiligen Kampagne (ich brauchte nur 3 Stunden) erhoffte ich mir vom Multiplayer-Modus viele Stunden Spielspaß mit menschlichen Gegnern. Doch direkt am Anfang kam die Ernüchterung: Anstatt der zuvor versprochenen neun Multiplayer-Modi gibt es nur vier und als wäre das nicht genug, wurden gerade die vielversprechenden Modi herausgenommen. Zurück bleibt der gewohnte Einheitsbrei: „Eroberung“, „Finde den Ring“, „Team- Deathmatch“ und „Hero Team-Deathmatch“. Doch bekanntermaßen kann die Idee ja noch so gut sein, im Endeffekt zählt die Umsetzung. Also hieß es ab in den Multiplayer und ran an den Speck! Nach insgesamt 25 Stunden intensivens Spielen lautet das Resultat: Der Multiplayer-Modus ist genau so wie Crysis, am Anfang macht noch alles Spaß, doch nach einer gewissen Zeit stellt sich die Eintönigkeit ein. Immerfort dieselben Karten und Modi öden einen mit der Zeit immer mehr an und das Fehlen einer Ingame Voice-Funktion erschwert einem die Aussicht auf taktische Kämpfe.

Herr der Ringe: Die Eroberung ist in erster Linie ein „Prügelspiel“ und die meisten Leute beäugen die Umsetzung solcher Spiele für den PC oft kritisch. Nicht selten hapert es an der Steuerung, sodass das Ganze in einem reinen Tastengehaue endet. Doch ist das bei Die Eroberung auch der Fall? Nein, nicht direkt. Zwar lassen sich die Combos des Kriegers und des Spähers nur umständlich aktivieren, doch insgesamt ist die Bedienung nie als wirklich störend empfunden wurden. Der Spielfluss wird auch nicht von groben Bugs unterbrochen, nur einmal konnte ich meine Figur im Multiplayer nicht steuern und musste dafür einem Mitspieler aus der Verfolgersicht zusehen.
Fazit: Wie schon oben gesagt bringt selbst die beste Idee nichts, wenn es an der Umsetzung mangelt. Dieser Spruch passt auf Herr der Ringe: Die Eroberung wie die Faust aufs Auge. Für die nicht vorhandene Atmosphäre, den lieblosen Multiplayer-Modus und die viel zu kurze Kampagne lohnt sich das Geld einfach nicht. Pandemic hat sich schlichtweg zu wenig Zeit genommen, ein paar Monate mehr Entwicklungszeit und es hätte ein gutes Spiel entstehen können. Aber so rate ich jedem, egal, ob eingefleischter Herr der Ringe-Fan oder nicht, vom Kauf ab.
vampirschildkröte
Beeindruckend
Sieht sehr sehr hochwertig aus. Ich frage mich nur warum man gerade bei Kriegsspielen so detailreiche und realistische Grafik einsetzt! Muss das wirklich sein?
Pvt. Hudson
Schöner Test...
... für ein wirklich mieses Spiel. Schade weil zum einem eine potenzielle Lizenz verschenkt in den Sand gesetzt wurde und sich EA damit wieder einmal Käufer vergrault.
Balo
Stimmt nur zum Teil
Ich finde es macht schon Spaß zu mindest am Anfang doch dem Spiel geht schnell die Puste aus.
agplayer
ich kann mich zum Teil anschließen
Ich fand das Spiel auch anfangs ganz gut, aber eben nur im Multiplayer. Im Singleplayer hat mich von Anfang an die dämliche KI und die schlechte Synchronisation genervt.
Sind nicht alle
HdR Spiele irgendwo recht mies geworden? Also mich hat keines der Spiele wirklich umgehauen.
HdR: Die Eroberung scheint eine gute Grafik, dafür aber ein relativ schlechtes Gameplay zu haben. Wie weiter oben schon gesagt: eine potenzielle Lizenz in den Sand gesetzt.
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