Ich habe nicht vor, Amok zu laufen!



Ich habe nicht vor, Amok zu laufen!

Interview mit zwei Schulmeisterschaftsanwärtern






Markus „Braveheart“ Razniewski (17 J.) und Philip „ZytchiX“ Staupe (18 J.) vertreten das St. Benno Gymnasium Dresden in einem von der Electronic Sports League (ESL) veranstalteten, deutschlandweiten Wettkampf der Schulen. Allerdings ist hier nicht, wie vielleicht vermutet, von der bislang medienwirksam inszenierten Schulmeisterschaft die Rede, sondern vom ESL Deutschland- Cup. Dieses, unter dem Dach der ESL- Schulmeisterschaft veranstaltete Turnier offenbart den Organisatoren, mit welchen Schulen aus welchem Bundesland sie für eine nächste Schulmeisterschaft rechnen können.

Wir sprachen mit den Dresdnern über Organisationsprobleme bei der ESL, über den Sinn der Schulmeisterschaft, elterliche Akzeptanz von eSports und den Spaß am Spielen.


ProjectLAN.de: Hallo Markus, hallo Philip. Zu allererst die Frage: Wie seid ihr zu diesem Hobby, welches auch eine immer größere Spielergemeinde zählt, gekommen, in welcher Disziplin spielt ihr beim Deutschland- Cup und wie erfahren seid ihr in dieser?

Philip: Beim Cup vertrete ich unser Team bei Warcraft 3 TFT 1on1 und Tetrinet 2on2. Warcraft 3 spiele ich eigentlich seit es auf dem Markt ist und aktuell bin ich in der 1. Bundesliga mit meinem Clan FAR.reloaded vertreten. Mit dem Onlinespielen habe ich erst angefangen, als meine Eltern sich eine DSL- Verbindung zugelegt haben. Das war vor etwa 4 Jahren. Zuerst habe ich Battlefield Vietnam im Netz gespielt. Gleichzeitig tastete ich mich über Funmaps langsam an WC3 heran. Als dann der BF Vietnam- Clan zerbrach, konzentrierte ich mich mehr und mehr auf das Spiel Warcraft.

Markus: Aktiv spiele ich seit ungefähr drei Jahren online. Nebenbei spiele ich beim Clan Fight4U im Battlefield 1942- Squad. Auch wenn ich für unsere Schule in Trackmania an den Start gehe, mag ich eher Teamspiele, gerade wegen der erforderlichen Kommunikation und Abstimmung untereinander. Aus Zeitgründen kann ich bei Trackmania nur an kleineren Turnieren teilnehmen. Das wird sich aber im Sommer, wenn die nächste Version veröffentlicht wird und ich meinen Zivildienst ableisten werde, ändern. Außerdem spiele ich noch im WC 3 2on2- Squad für unsere Schule.


ProjectLAN.de: Ihr habt nun schon erwähnt, dass ihr beim Deutschland- Cup letztlich  eure Schule, das St. Benno Gymnasium Dresden, repräsentiert.  Erfahrt ihr auch weiterführende Unterstützung durch eure Schule beziehungsweise wie wurde denn die Idee zur Teilnahme überhaupt z. B. bei der Schulleitung oder den Lehrern aufgenommen?

Markus: Als wir mit unserem Direktor darüber sprachen, fand der die Idee zwar ganz interessant, aber anscheinend nicht so interessant, um sich selber damit zu beschäftigen. Er schickte uns jedenfalls einfach weiter zum Informatiklehrer. Dieser hat selbst lange Zeit Computer gespielt und fand die Idee ganz gut, solange keine Shooter dabei seien. Allerdings war er weniger davon begeistert, dass es bei der Anmeldung keinen Hinweis darüber gibt, dass die Schule einer Teilnahme zustimmen muss.

Philip: Wie Markus schon sagt war unser Informatiklehrer ganz aufgeschlossen. Doch trotz alledem hatte ich das Gefühl, dass das Thema für den Schulleiter und den Informatiklehrer nicht wirklich wichtig war, auch wenn sie Interesse gezeigt haben.


ProjectLAN.de: Und wie wird eure Teilnahme am Cup von euren Mitschülern aufgefasst?

Philip: Dass wir mitspielen wissen eigentlich nur Freunde aus unserem engeren Freundeskreis und keine anderen Schüler. Wir haben das auch nicht weiter an die „große Glocke“ gehangen. Da fiebert also auch keiner als Fan mit. Außerdem ist es auch besser, dass es nicht so viele wissen,  weil wir dann eventuell von den Mitschülern als Freaks abgestempelt werden, die nur Computer spielen und keine anderen Hobbys haben.

Markus (lacht): Ja genau. Selbst wenn wir Schulmeister wären, würden wir keinen Aushang machen à la: Juchu, wir sind Schulmeister im Computerspielen!


» „Komm spiel’ weiter, du bist erfolgreich, das machst du toll!“ «




ProjectLAN.de: Wie ist es dann eurer Meinung nach um die gesellschaftliche Akzeptanz vom Spielen am Computer bestellt und was sagen eigentlich eure Eltern zu eurer Leidenschaft?

Markus: Eltern und Lehrern fällt mit Sicherheit auf, dass Computerspiele immer mehr in die Jugendkulturen eingehen. Aber sie wollen oder können sich einfach nicht tiefer gehend damit beschäftigen oder verschließen sich dem Thema. Allerdings hatten wir an unserer Schule diesbezüglich eine Informationsveranstaltung, bei welcher der Saal voll mit interessierten Eltern war. Fairerweise muss man sagen, dass auch vier Lehrer anwesend waren. Wobei die wohl hauptsächlich fürs Türauf- und zuschließen und die Betreuung der Technik da waren.

Mit der Zeit wird sich eSport auch im Schulbereich etablieren. Dazu gehört natürlich auch eine kompetente Organisation des Ganzen. Einen gesamtgesellschaftlichen Durchbruch wird es nicht plötzlich geben. Aber mir ist nur aufgefallen, dass sich auch immer mehr Erwachsene am eSport- Geschehen beteiligen. Die Generation, der auch zum Beispiel unser Informatiklehrer angehört, die selbst als Kinder oder Jugendliche die heutigen Klassiker gespielt haben, zeigen bereits mehr Akzeptanz, Verständnis und Interesse.

Auf jeden Fall sollten sich vor allem die Eltern damit auseinandersetzen, weil das Spielen am Computer zur heutigen Freizeitbeschäftigung vieler Jugendlichen dazugehört.
Ich selber habe einen älteren Bruder, der auch schon viel gezockt hat. Dadurch dass dieser bereits die ganzen elterlichen Diskussionen über Computerspiele über sich gebracht hatte, hatte ich es leichter. Natürlich gab es anfangs trotzdem die obligatorischen „Computerzeiten“ für mich. Trotzdem benötigte es Einiges an Überredungskunst, bis ich meinen eigenen Computer hatte. Aber dadurch, dass ich mich auch für andere Dinge interessiere und engagiere kommen meine Eltern mittlerweile gut mit meinem Hobby zurecht.

Philip: Auch wenn sich meine Mutter dafür interessiert, was ich mache, würde sie niemals zu mir sagen: „Komm spiel’ weiter, du bist erfolgreich, das machst du toll!“ Meine Eltern, die beide über 50 sind, sehen das Thema schon eher negativ; obwohl ich auch andere Hobbys habe und meine Schulnoten in Ordnung sind. Auch innerhalb unserer Generation finden  - meiner Meinung nach - Erfolge im eSport noch keine weit reichende Anerkennung. Von der Beachtung, die der Schulsport bekommt, sind wir wohl noch weit entfernt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in naher Zukunft für eine Teilnahme an einer Offline- Veranstaltung der Schulmeisterschaften eine offizielle Freistellung der Schule erhalten würde.



Vertreten ihre Schule beim Deutschland- Cup: Philip aka ‚ZytchiX’ (li.) und Markus aka
 ‚Braveheart’ (re.)

ProjectLAN.de: Mittlerweile wird die Nutzung von Computer und Internet neben Lesen, Schreiben und Rechnen als so genannte vierte Kulturtechnik bezeichnet. Eine Umfrage der BITKOM, dem Vertreter der IT- und Neue- Medien –Branche, ergab, dass sich die große Mehrheit der Eltern für die Einführung eines Pflichtfaches Informatik ausspricht. Inwieweit könnte ein Pflichtfach Informatik die gesellschaftliche Akzeptanz von Computerspielen verändern?

Philip: Ein Pflichtunterrichtsfach Informatik ist an sich eine gute Sache, denn jeder muss heutzutage einen Computer bedienen können. Aber ich denke nicht, dass man den Informatikunterricht sonderlich mit Computerspielen in Verbindung bringen kann, beziehungsweise sollte. Damit meine ich, dass aktives Spielen nicht unbedingt in den Unterricht gehört. Diskussionen über so genannte „Killerspiele“ sind natürlich möglich. Dabei ist aber auch die Frage, in wieweit sich ein Lehrer überhaupt mit der Materie auskennt. Deshalb denke ich nicht, dass ein verstärkter Informatikunterricht dazu führen würde, die Akzeptanz in der Gesellschaft nachhaltig zu verändern.

Markus: Informatikunterricht ist das grundlegende Fach für den Umgang mit dem Computer. Dieser Umgang ist für das heutige Berufswesen enorm wichtig.  An unserer Schule gibt es bereits in einigen Jahrgangsstufen verpflichtenden Informatikunterricht. Bei einer guten pädagogischen Ausbildung könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es Lehrer schaffen könnten, Einfluss auf die Schüler zu nehmen und sie weg von aggressiven Singleplayershootern hin zu teamwork- und kommunikationsfördernden Spielen zu bringen. Dies auch durch Aufzeigen von alternativen, sprich eher unbekannten Computerspielen. Aber dass im Informatikunterricht für eSports- Schulmeisterschaften trainiert werden wird, halte ich für unrealistisch.


» Um Besserung zu Erreichen sollte vielleicht bezahltes Personal ran... «




ProjectLAN.de: Auf der Homepage von Schulmeisterschaft.de dreht sich momentan alles um die 2. Schulmeisterschaften. Immer noch kann man sich für die zweite Saison  anmelden, obwohl offiziell seit 17.02.08 Anmeldeschluss ist. Bisher haben sich scheinbar nur Schulen aus 10 Bundesländern angemeldet, wobei Hamburg als auch Bremen sich für Niedersachsen und Berlin sich für Brandenburg anmelden darf. Euer Bundesland Sachsen ist nicht mit von der Partie. Neben dem Beginn der 2. Saison der Schulmeisterschaft ist auch das Finale des Cups im Verzug, welches laut Pressemitteilung der Turtle Entertainment GmbH vom 07.12.2007 im Januar 2008 hätte stattfinden sollen. Einmal auf der Internetseite der Schulmeisterschaft zum Deutschland- Cup durchgeschlagen erfährt man allerdings kaum etwas über dessen Verlauf. Wozu wird dann dieser Cup ausgetragen, wenn festgestellt wurde, dass sich nicht genügend Schulen für ein bestimmtes Bundesland eingetragen haben?

Markus: Neben der Rückmeldung für die zweite Saison dient der Cup meines Erachtens auch dazu, die Leute bei der Stange zu halten. Denn eigentlich war der Cup zu Beginn als 2. Schulmeisterschaft ausgegeben worden. Und als die ESL- Verantwortlichen merkten, dass sich wohl zu wenig Schulen aus dem Bundesgebiet beteiligen, wurde das Ganze zum Cup „degradiert“, welcher anfangs sogar mit einem Offlinefinale beworben wurde.

À propos ESL- Verantwortliche: Die Admins des Cups sind auch nur schwer bis überhaupt nicht zu erreichen. Sicherlich ist dies auch irgendwo verständlich, wenn man weiß, dass diese Leute das nebenbei machen. Um Besserung zu erreichen sollte vielleicht bezahltes Personal ran oder es müsste in Zukunft besser auf das Engagement sowie die Motivation der zuständigen Admins geachtet werden. Gut wäre auch, wenn mehr „Communityarbeit“ betrieben werden würde und die Admins auch zu hundert Prozent Ahnung von ihrem Spiel hätten.

Philip: Wer Informationen zum Deutschland- Cup haben möchte, muss erst einmal ziemlich auf der Seite danach suchen. Es kommt mir fast so vor, als wenn der Cup bewusst auf der Seite so versteckt wurde.
Am Anfang fand ich die Seite extrem unstrukturiert und irgendwie formlos. Das hat sich zwar ein wenig gebessert, aber dennoch ist es nicht leicht, sich auf der Seite zu bewegen.
Aber jetzt ist es wohl so, dass wir nach erfolgreichem Bestehen der Gruppenphase für unser Team ein Freilos für die nächste Runde erhalten haben. Das heißt, wir müssten jetzt im Viertelfinale stehen.


ProjectLAN.de: Es scheint also nach euren Worten danach auszusehen, dass der Cup nunmehr doch ausgespielt wird…


Philip: …zumindest nach unserem jetzigen Wissenstand. Allerdings ist es schon ein wenig merkwürdig, dass sich die ganze Sache so lange hinzieht und überhaupt der ganze Cup einfach nur unstrukturiert abläuft.  Erst war seitens der ESL von Offline-Finals die Rede, nun soll es Online-Finals geben.

Markus: Im Viertelfinale treffen wir auf den Gewinner der Partie Quirinus Gymnasium Neuss gegen Goetheschule Einbeck. Quirinus ist hier als knapper zweiter der ersten Schulmeisterschaften Favorit.


"...weg von aggressiven Singleplayershootern hin zu teamwork- und kommunikationsfördernden Spielen"
 - auf den Finals der 1. Schulmeisterschaften in NRW
© Turtle Entertainment GmbH

ProjectLAN.de: Garantiert habt ihr schon intern eure Chancen über ein mögliches Weiterkommen diskutiert. Zu welchem Ergebnis seid ihr gekommen?

Markus: Mit Felix 'LiX' Spix haben die Neusser einen professionellen Spieler vom Clan mTw.PokerRoom in ihren Reihen, der wohl in seiner Disziplin, FIFA 2008, nur schwer zu besiegen sein dürfte. Doch wie es aussieht tritt er aufgrund der veralteten FIFA 07 Version nicht mehr an. Daher steigen die Chancen für Einbeck aber auch für uns.

Philip: Es wird auf jeden Fall schwerer werden als in der Gruppenphase. Weil wir nun auch auf Teams treffen werden, in denen mehrere Spieler nun auch aktiv an Ligen teilnehmen und daher sicher auch nicht schlecht sind. Bei einigen Disziplinen haben wir noch Schwächen im Team und deshalb könnte es teils schwieriger werden, 3 Punkte zu holen.


» „Schüler spielen für Bildung“ - [...]um mehr gesellschaftliche Akzeptanz für eSports zu erreichen ist das Motto akzeptabel. «




ProjectLAN.de: Dennoch könnte der Erfolg eures Team doch spätestens nach dem erfolgreichen Bestehen im Viertelfinale auch auf andere sächsische Schulen motivierend wirken. Oder zählt Sachsen einfach zu wenig Schüler, die dem Hobby eSport nichts abgewinnen können? Dies gilt natürlich für alle anderen Schulen in Nichtteilnehmerländern genauso.

Markus: Es war ja nicht so, dass sich niemand in Sachsen außer uns für diese Veranstaltung interessiert hat. Ich kenne zum Beispiel Leute, die haben an ihrer Schule sogar Aushänge gemacht, um ein Team zusammen zu bekommen. Allerdings hatten sie innerhalb der Anmeldefrist eben keinen Erfolg. Bei uns es hat es glücklicherweise geklappt, dass wir einen Spieler für jede Disziplin gewinnen konnten. Sachsen hat auf jeden Fall das Potential. Gerade, wenn man sich in den Ligen umschaut, wie Deutsche Ländermeisterschaften oder der ESL.

Philip: Die Veranstaltung ist meiner Meinung nach auch an vielen vorbeigegangen. Viele Schulen wussten auch überhaupt nicht, dass es überhaupt so einen Cup gibt. Aber da man den Cup auch als „Übergangscup“ bezeichnen könnte, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass es keine große Werbeaktion gab.


ProjectLAN.de: Eine bessere Zusammenarbeit der ESL mit den Schulleitern oder gar den Regionalschulämtern würde also auch eine höhere und flächendeckende Teilnehmerzahl gewährleisten?

Markus: Der Zugang über Regionalschulämter und Schulleiter ist meiner Meinung nach im Moment noch nicht der richtige Weg. Dafür hat eSports in dieser Generation noch zu wenig Akzeptanz und es würde zu ewigen Diskussionen über die Durchführbarkeit eines solchen Wettbewerbs kommen. Zumindest könnten durch eine längerfristige Planung, zum Beispiel hinsichtlich der Anmeldefristen, und bessere Ausarbeitung des Ganzen mehr Schüler erreicht werden. Ich für meinen Teil finde mich auf den Seiten der ESL mittlerweile zurecht. Aber gerade für ESL- Neulinge finde ich das Account- und Turniersystem nicht gerade einsteigerfreundlich. Obwohl es dafür sicherlich auch entsprechende Tutorials gibt.


ProjectLAN.de: Die ESL wächst stetig. In mittlerweile 21 europäischen Staaten vertreten, spielen knapp 800.000 User um Ruhm und auch Geld. Davon ausgehend, dass die Firma hinter der ESL nicht für umsonst am Gemeinwohl arbeitet und in vergangenen, auch politischen Diskussionen Computerspiele nicht unbedingt mit einer Förderung der Bildung in Verbindung gebracht wurden wirkt das Motto der Schulmeisterschaften „Schüler spielen für Bildung“ ein wenig nebulös. Mal ganz konkret und sarkastisch nachgefragt: Spielt ihr für Bildung?

Markus: Den Verantwortlichen geht es doch darum, die Schüler an die ESL zu binden und sie zu integrieren. Damit dies funktioniert, sollte darauf geachtet werden, die Veranstaltung möglichst einfach zu strukturieren und den Spaß in den Mittelpunkt zu stellen. Das Teilnehmerfeld beschränkt sich auf Schüler, was eine ganze Reihe von Pro- bzw. weiterentwickelten Spielern eher ausschließt und den Einstieg für Spielanfänger erleichtert und Erfolge sichert. Das wiederum kommt dem Spielspaß zugute. Gerade wenn man bedenkt, dass es ja bei der Schulmeisterschaft um eine bundesweite Veranstaltung mit einem gewissen Maß an Prestige geht.

Ich denke schon, dass Multiplayerspiele im weitesten Sinne auch unsere Bildung fördern. Zum Beispiel haben wir mit Tetrinet und Warcraft 2on2 zwei Vertreter, bei denen Kommunikation und gemeinsames Vorgehen, also auch Teamfähigkeit, gefördert wird. Und der Strategieanteil beansprucht in gewisser Weise auch das Denkvermögen. Außerdem finden bei Offline-Turnieren auch meist Podiumsdiskussionen zum Thema statt. Aber um mehr gesellschaftliche Akzeptanz für eSports zu erreichen ist das Motto akzeptabel.

Philip: Das Motto als treffende Bezeichnung für die Veranstaltung scheint mir schon ziemlich weit hergeholt. Der Gewinner der letzten Schulmeisterschaft erhielt wohl 2.000 Euro für den Informatikraum, aber mit „Bildung“ an sich kann man das nicht gleichsetzen. Es ist wohl ein Werbeslogan, der das Thema für die Medien und vor allem für die Politik tragbarer machen soll und mit dem sich die Veranstaltung angesichts der „Killerspieldebatte“ auch besser verkaufen lässt.



„Pommesbude rein! Und dann: go go go!“ – Counter-Strike lässt grüßen
 © Turtle Entertainment GmbH

ProjectLAN.de: Und dies scheint auch ein Grund dafür zu sein, dass man die aus der eSport-Szene nicht wegzudenkenden Shooter, wie zum Beispiel Counter-Strike oder die Battlefield- Reihe, bei der Auswahl der Spiele außen vor gelassen hat – von der höheren Alterseinstufung mal abgesehen.  Und das, obwohl der Veranstalter offiziell mit einem Spruch aus der Counter-Strike-Welt für die 2. Saison der Schulmeisterschaft wirbt. Haltet ihr die aktuelle Titelzusammenstellung für angemessen?

Markus: Vor allem Battlefield ist ein Spiel, welches nach meinem Erachten mindestens acht Spieler pro Team erfordert. Ich stelle es mir schwierig vor, auch genügend und einigermaßen versierte Mitspieler an seiner Schule und im entsprechenden Alter zu finden. Es ist gut, wenn gerade jüngere Spieler auf diese Weise Zugang zu alternativen Multiplayerspielen erhalten. Counter-Strike kennt wohl so ziemlich jeder 15-jährige Computerspieler. Dagegen ist das kostenlos herunterladbare Trackmania eher weniger bekannt.

Philip:  Anfangs waren wir schon ein wenig verwundert, dass kein CS angeboten wird. Aber im Nachhinein finde ich es nicht schlimm und ich vermisse es auch nicht. Allerdings stört mich, dass Warcraft 3 TFT mit den Modi 1on1 und 2on2 zwei Mal vertreten ist. Dafür hätte man eventuell auch noch ein anderes Spiel mit reinpacken können. Aber an sich finde ich die Zusammenstellung gut, weil sie zeigt, dass man auch mit eher unbekannten Multiplayerspielen Spaß haben kann. Gerade der unterhaltsame, etwas ältere Mehrspielerklassiker Tetrinet ist ein gutes Beispiel für anspruchsvollen Wettkampf ohne Schusswaffen.


ProjectLAN.de: Mit solchen Äußerungen spielt ihr als Vertreter des eSports, der nun mal gerade durch Titel wie Counter-Strike entscheidend geprägt wird, den Verfechtern eines Verbots von „Killerspielen“ direkt in die Hände.

Markus: Wir wollen dieser Öffentlichkeit damit auf keinen Fall Recht geben, sondern manches wird einfach übertrieben und verstärkt dargestellt. Den dadurch erzeugten Konflikten kann mit der Wahl der Schulmeisterschaft- Disziplinen sicherlich gut aus dem Weg gegangen werden.

Philip: Als ich 14 Jahre alt war habe ich mit meinen Cousins das erste Mal CS gespielt. Jetzt bin ich 18 und ich habe nicht vor, morgen Amok zu laufen. Und da geht’s bestimmt vielen anderen auch so.


ProjectLAN.de: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen euch weiterhin alles Gute!

Das Interview führte Daniel 'aD' Kühne.



Kommentare

  • No° 1
    Ein erneutes sehr gutes Interview, genau sowas will doch der leser wissen und lesen.
    Ich finde diesen Beitrag einfach hammer geniel!

    2. Mar 2008 - 16:37 Uhr
  • Sehr gutes Interview
    ich finde die beiden kommen ziemlich erwachsen rüber. Das Interview hat mir gut gefallen vor allem nehmen die beiden kein blatt for den mund und sagen was sache ist.

    6 punkte.

    2. Mar 2008 - 16:54 Uhr
  • Klasse
    Schönes Interview, welches das Thema auch mal aus der Teilnehmer-Perspektive zeigt. Vor allem die Auswahl der Fragen hat mich sehr beeindruckt.
    Interessant ist hier mal wieder das Thema ESL. Es scheint, dass alles, womit (wider Erwarten) kein grosses Geld zu scheffeln ist, irgendwann "stiefmütterlich" von der ESL behandelt wird.
    Daher gehe ich momentan davon aus, dass diese zum Cup degradierte Meisterschaft wohl keinen dritten Durchgang mehr machen wird. Was ich persönlich als sehr sehr schade erachten würde.
    Dabei gäbe es sicherlich sehr gute Möglichkeiten, wenn man sich bei der ESL mal eingehender mit dem Thema Schule und Computergames auseinandersetzen würde. So könnte das Thema auch sicher die leidige Killerspiel-Debatte entschärfen, wenn die Allgemeinheit verstärkt die andere Seite aufgezeigt bekommen würde.

    2. Mar 2008 - 19:01 Uhr
  • Dickes Lob
    Das wird dem Daniel jetzt zwar die Schamesröte ins Gesicht treiben, aber ich finde das ist bis dato das beste Interview auf unserer Plattform. Somit hängt die Messlatte natürlich wieder ein Stück höher und ich muss mich noch mehr reinhängen bei den Veranstalterinterviews. Wobei das natürlich auch auf den Gegenüber im Interview ankommt, die beiden, Markus und Philip, scheinen wirklich korrekte junge Menschen zu sein. Ich wünsch den beiden weiterhin viel Erfolg und Ansporn, auch wenn die Schule selbst noch nicht so richtig mitziehen will. Aber Vorreiter mussten schon immer den Weg fürs Nachgefolge auskundschaften und ebnen.

    2. Mar 2008 - 21:37 Uhr

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