Lanparty - a Fanfiction



Lanparty - a Fanfiction

Ein kurzer Blick in eine unbekannte Zukunf






Machen Sie sich keine Sorgen, ich werde Ihnen keine Lügenmärchen erzählen, nur damit ich nachher gut dastehe. Ich werde Ihnen nur erzählen, wie das alles passiert ist. - "Lord of War"

Kapitel 1 - Die Samstagsituation

Es ist ein später Nachmittag an meinem freien Wochenende - ein sehr düsterer, um genau zu sein. Denn genauso schnell, wie sich der Himmel durch herannahende Gewitterwolken zuzieht, verdunkelt sich auch mein Gemütszustand. Eigentlich sollte das heut unser Männertag werden. Die Freundin ist auf Dienstreise und auch zuhause warten keine Verpflichtungen - naja, zumindest keine, die ich nicht auch morgen noch in den Griff bekommen würde. Ich hatte mit meinen Jungs 'nen netten Grillabend geplant der mit 'nem Openair-Kino enden sollte. Doch Rechnung hatten wir ohne Petrus gemacht - denn genau dieser schickte uns sein himmliches Inkassoteam in Form von kalten Schauern und trüben Wolkenfetzen. Ich hatte mich also schon auf einen langweiligen Abend vor der Glotze eingerichtet.

Ein Blick ins Fernsehprogramm liess meine Laune noch finsterer werden: Deutschland sucht den Pisastar - ein Buchstabierwettbewerb für chronische Lägasdänieger.  Wer wird Internetmillionär? - Eine Show, in der die Kandidaten versuchen müssen, in möglichst kurzer Zeit soviel Spammails wie möglich zu empfangen. Und nicht zu vergessen: Bad Luck - die witzigsten Abmahnungen gegen Internetforenbetreiber. Das alles natürlich in feinstem HDTV. Während ich mich also ans Internet setze, um zu schauen, was mein alter Plasmafernseher noch bei eBay einbringt und versuche herauszufinden, wie ich mich von den GEZ-Gebühren trennen kann, poppt auf einmal eine ICQ-Message auf. Es war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen: "Heute Fightclub! Wir seh'n uns 20 Uhr in der Factory. Sei pünktlich und bring genügend Kohle mit!"


Kapitel 2 - Die Szene

Seit mehr als 2 Dekaden gibt es die "Szene". Sie hatte ihren Ursprung in den LANPartys, die sich zu Computerspielwettkampfveranstaltungen entwickelten und ihren Besuchern ein riesiges lokales Netzwerk darboten. Allerdings waren das keine Ultrahochgeschwindigkeits-Mikrowellenmeshes, wie wir sie heute kennen. Nein, damals wurden noch klassische Netzwerkkabel verlegt - ein schier endloser Wust von Kupferleitungen und gläsernen Fasern. Die Ära der LANPartys hatte ihre Höhen aber vor allem Tiefen. Denn auf einmal schauten Behörden und Medien mehr und mehr auf die Finger der LANLords. Regierung und Bundespolizei sahen in den Veranstaltungen nicht mehr als große Versammlungen von Hackern, Crackern und Raubkopierern. Sie schickten ihre Bundesagenten undercover zu den Events, um die Szene zu infiltrieren. Allerdings zu spät, denn die Szeneveranstaltungen entwickelten sich bereits von ganz allein zu sogenannten "E-Sport"-Events, welche sich vor allem den sportlichen Wettkampf in der Computerspielbranche auf die Fahnen schrieben. Man maß sich in Turnieren und organisierte sich zu Clans und Vereinen um sich in Ligen zu engagieren. Alles andere trat dabei auf einmal in den Hintergrund. Doch der Erfolg war nicht von Dauer. Mit einem Male wurde ein recht ähnliches Medium viel interessanter. Das Internet fand mit zunehmender Geschwindigkeit, Platz in den Haushalten der potenziellen Teilnehmer stand bald in Punkto Bandbreite und Latenz dem LAN in nichts nach. So wurden die Turnierspiele allmählich ins heimische Wohnzimmer verlegt - LANPartys waren out und fanden nur noch für Qualifikationen und Finals der Ligen Verwendung.


Kapitel 3 - Fightclubs


Dass sich alteingesessenen LANLords es sich kaum gefallen ließen, dass ihre Veranstaltungen nur noch als virtuelle Werbeschilder von Marketing-Lakeien von Unternehmen der IT-Branche zweckentfremdet wurden, lag auf der Hand. Man wollte zurück zu den Wurzeln finden und agierte fortan wieder im Untergrund. Die Events wurden nur noch per Mundpropaganda publiziert. Zutritt erhält nur ein auserwählter Personenkreis, der jedoch ständig wächst - man organisiert sich in sogenannten Fightclubs. Ort und Zeit werden erst kurz vor Beginn preisgegeben und die Fightclubs dauern in der Regel nur einen Abend.

Kapitel 4 - Bet and Win

Desktop-PCs gibt es schon lange nicht mehr und sind fast nur noch in technischen Museen zu finden. Mobiles und Personal Organizer besitzen bedeutend mehr Rechenleistung und Einsatzmöglichkeiten. Zudem besitzt jeder Fightclubber, der etwas auf sich hält, ein Notebook. Er muss flexibel und allzeit einsatzbereit sein. Ein Anruf reicht aus, und los gehts zum vereinbarten Treffpunkt, wo sich dann teils bis zu 100 Fighter tummeln.

Ich bin spät dran - musste doch noch Credits aufladen, um nachher flüssig zu sein. Der Regen peitscht auf die Frontscheibe, im Rückspiegel ist nur noch die Gischt zu sehen. Mit 90 Sachen fahre ich durch die Innenstadt und ein Blick auf die Tankanzeige drückt mein gerade wiedergefundenes Hochgefühl ein wenig - kostet der Liter Super doch mittlerweile mehr als 5 Bucks. Autofahren ist zum Luxus geworden.

Geschafft, ich bin am Ziel. In einer von Neon- und UV-Licht durchfluteten Tiefgarage bauen Techniker gerade die Holowall auf - ein holografisches Projektionsystem, dass auf ionisierten Luftpartikeln basiert. Oldschool Drum n' Bass Beats durchdringen die Tiefgaragenhalle und das Gröhlen der Motoren der eintreffenden Fightclubber erinnern meinen Magen daran, dass ich noch ne Palette Energydrinks im Wagen hab und ne Pizza bestellen wollte. Da kommt die Einladung des Haus-DJs wie gerufen. Er ist ein alter Bekannter und lädt mich und meine Begleitperson auf ein paar Drinks ein. Bei ner Ladung Hotdogs und Sandwiches diskutieren wir über die Gewinnquoten der heute stattfindenden Turniere. Ich selbst errechnete mir gute Chancen beim Beben³ Turnier und setzte ganze 150 Bucks auf mich selbst.

Unsere Tischnachbarn, 2 hübsche Mädels - schätzungsweise Mitte zwanzig und mindestens ebenso gefährliche Spielerinnen wie ihre routinierten männlichen Turniergegner, mischten sich in das Gespräch ein und meinten, das wäre keine gute Idee. Denn angeblich wird für heute ein Specialguest aus einem anderen Bezirk erwartet, der unseren Fightclub ordentlich aufmischen würde. Ich nahm's gelassen - musste ich mich bis jetzt doch noch nie wirklich anstrengen. Ich war wohl eins dieser Naturtalente. Ganz so, wie die kommerzielle eSportszene sie suchte - Spieler mit hohem taktischen Verständnis und perfekt ausgebildeten Reflexen und Instinkten sowie konditionierter Routine. Doch genug davon, dieses Thema hab ich hinter mir gelassen und gehöre von nun an zu den Aussenseitern - so wie auch der Rest der Fightclubszene, die aber immer wieder von eSport-Scouts besucht heimgesucht wird.

Ein Signal ertönt - das heisst für uns, dass wir nur noch wenige Minuten Zeit haben, unsere Wetteinsätze abzugeben. Neue Spieler, das heisst auch immer, sehr durchwachsene Quoten - also zweimal Nervenkitzel. Wir haben kein Turniersystem. Es spielt sich alles auf der Holowall ab, auf der ein Greenboard mit den Quoten abgebildet ist. Die Turniergegner werden per Münzwurf ausgelost. Ich bin erst in 2 Stunden dran und versuche in der Zwischenzeit meine Gegner zu analysieren. Scruffy - meine Begleitung, die mich vor etwa 5 Jahren in den Fightclub reingebracht hat, spielt selbst nicht, sondern kümmert sich um die Verschlüsseling des Netzwerkmeshes. Sein Interface fürs Netzwerkmanagement ähnelt den Synapsen des menschlichen Gehirns und lässt sich fast intuitiv bedienen. Datenpakete werden grafisch als kleine blauleuchtende Kartons dargestellt, in Echtzeit entschlüsselt, und mit ein paar Handbewegungen über das holografische Interface geblockt oder freigegeben werden. Trotzdem ist das für mich ein Buch mit sieben Siegeln.

Kapitel 5 - Mal verliert man, und mal gewinnen die anderen

Meinen ersten Gegner besiege ich ohne grosse Probleme. Denn im Gegensatz zu ihm habe ich alle Items getimed. Das heisst, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um Medipacks, Waffen und Munition einzusammeln. Mit ein paar geschickten Rocketjumps konnte ich fast all seinen Angriffen entkommen - meine 88%ige Treffsicherheit mit der Railgun tat ihr übriges. Yeah, ich habe soeben 50 Bucks verdient. Ein kurzer Plausch mit dem Gegner und ein paar Tipps für sein nächstes Match später, und ich muss bereits zum nächsten Match antreten. Durch die vielen Energydrinks bin ich nervös geworden und habe zu viele Fehler gemacht - ich sollte dringend meine Ernährung umstellen. Gewonnen habe ich dennoch, wenn auch nur knapp und mit ein wenig Unzufriedenheit. Grad noch mal gutgegangen! Ein paar Bier und Grillsteaks später, trete ich zum Finale gegen den "Neuen" an.

Von jetzt an läuft alles schief. Durch seine Guerilla-Taktik - aus dem Hinterhalt schiessen und sofort wieder verschwinden, werde ich unruhig und spiele verspannt. Er hat scheinbar jede meiner Aktion vorhergesehen und konnte sich so einen erheblichen Vorteil erspielen. Ende der Geschichte war, dass ich haushoch verlor und keinen Stich gegen ihn sah. Eine Revanche ist aber sicher. Selbst Stunden nach den Finalspielen blieben die Fightclubber da. Wir sahen uns Filme an der Holowall an und tauschten alte Geschichten aus. Einige der Finalisten schilderten, dass sie von den eSportscouts angesprochen wurden und gefragt wurden, ob sie nicht in ihrer Liga aktiv sein möchten. Sie lockten mit weltweitem Renommee und Gagen, die weit über unseren möglichen Gewinnen durch die Wetteinsätze liegen. Doch sie begreifen nicht, dass das Wetten - genauso wie das Gewinnen - nur Nebensache ist. Der Wettkampf zählt. Und sowieso -r einmal ein Fightclubber - immer ein Fightclubber. Wir sind etwas besonderes - etwas ganz besonderes. Uns bekommt niemand auseinander.

Auf der Fahrt nach Hause stieg die Sonne gerade den Himmel empor und alles erstrahlte in einem bläulichen Licht. Frühnebel stieg auf - ein Zeichen, dass es heut ein guter Tag wird. Oder einfach nur Sommersmog? Mir egal, ich will nurnoch so schnell wie möglich nach Hause und mich ausschlafen. Danach werde ich wahrscheinlich einen Tagebucheintrag darüber in meinem eigenen Blog verfassen und nach einer Location für den nächsten Fightclub suchen.


Ein Blick in eine fiktive Zukunft der LANParty-Szene von Torsten Schmidt



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