One Night-Stand in Spergau
Lanparty Review der Böhlen-Lan
Ich möchte euch von unserem Abstecher in die Virtualität einer Lanparty bei Leipzig berichten - davon, was wir dort erlebten und mit wem wir gesprochen haben, was uns beeindruckt hat und was uns ins Auge fiel. Unser abenteuerlicher Kurztrip startete am späten Nachmittag am Dresdner Hauptbahnhof, allerdings waren wir nicht mit der Funkenkutsche unterwegs. Nein, der Bahnhof war nur unser, bis dahin, streng geheimer Treffpunkt. Die Sonne stand bereits sehr tief und der dunkle Asphalt der Autobahn spiegelte die Sonne wider, so dass man meinen könnte, ein spiegelglatter See liege vor einem.
Während der anderthalb Stunden Autofahrt diskutierten wir über die Entwicklung der Lanparty-Szene und darüber, was uns wohl vor Ort erwarten würde. Nach und nach verschwand das Abendrot am Horizont und beim Eintreffen in Spergau war es bereits stockduster. Jedoch leuchtete eine brennende Fackel, ganz so wie das Feuer des Schicksalsberges aus den „Herr der Ringe“- Filmen in der Ferne. Wir mussten also fast da sein, denn das funkelnde Feuerspiel war die Abgasflamme der Ölraffinerie von Leuna , die sich nicht unweit der Jahrhunderthalle befindet.

Ganz nah am Teilnehmer. Der Orgabereich von oben.
Check-In in Rekordzeit
Es muss so etwa gegen zwanzig Uhr gewesen sein, als wir in Richtung Sporthalle lenkten. Die zahlreichen Parkplätze waren bereits zu dreiviertel belegt und nur noch ein paar wenige Zocker waren beim Ausladen ihrer Utensilien und Wegparken ihrer Fahrzeuge zu beobachten. Nun gut ein eisiger Wind zog auf und die ersten Unwetterwolken zogen auf, also nichts wie raus aus dem Auto, Gerödel geschnappt und rein in die gute Stube. Beim Betreten des Foyers war ich dann doch sehr überrascht. Am Eingang standen zwei schwarze Need-For-Speed Fahrsimulatoren und scheinbar als Kontrast dazu empfingen und zwei rot-beshirtete Damen mittleren Alters, um den Einlass abzuwickeln. Hab ich da was vergessen? Nö, wir waren zu dem Zeitpunkt tatsächlich nur zu viert im Foyer.
Ein Gedanke ging mir gerade durch den Kopf: „Ohjee, das muss der falsche Eingang sein.“ Aber nachdem man uns versicherte, dass wir hier genau richtig wären und mit Danny „Smithers“ Sotzny auch gleich noch der Lanparty-Cheffe herbeigeholt wurde, wurden meine Bedenken auch schon wieder zerstreut. Natürlich haben wir gleich nachgefragt, was hier los sei und wo denn die Anmeldeschlange geblieben ist. „Wir waren schon eher fertig und haben deshalb schon vor dem offiziellen Einlass aufgemacht.“ – war Dannys einfache Antwort auf unsere Frage. Gefühlte zwei Minuten soll zum Ansturm die Abfertigungszeit pro Teilnehmer betragen haben. Zumindest bestätigten uns dass die Teilnehmer, die wir befragt hatten. Eine beachtliche Leistung – und das, wo das Einlasspersonal noch mit Papier und ohne Computer-Barcode-Scanner-RFID-Technikkrams gearbeitet hat - gute alte Handwerksutensilien
Burgerwehr
Danny nahm uns mit nach oben in die VIP-Loge der Halle, wo unter anderem auch die Pokertische und eine eigene Bar (die leider, leider, leider nicht von den Veranstaltern weder gefüllt noch geleert wurde) aufgebaut waren. Hier begrüßte uns, mehr oder weniger, ein griesgrämig gelaunter Geselle – Sauron, der Ausrichter der Lanparty Poker tour. Der hatte den verantwortungsvollen Job, den VIP-Raum und das Poker-Equipment unter dem Einsatz seines Lebens zu beschützen. Nachdem uns der Cheffe noch eine kurze Einführung gab, haben wir uns häuslich auf der VIP-Tribüne eingerichtet, Sachen verstaut und Laptops ausgepackt. Aber bevor wir richtig loslegen konnten, musste der Hunger gestillt werden und da kam mir gleich wieder dieses kleine, „essthetische“ Highlight dieser Halle in den Sinn – das Vereins-Restaurant. Hier gab es die, meiner Meinung nach, besten Hamburger, die man auf einer Lanparty finden kann.

Perfektes Duo, ich und mein Lan-Burger
Und wir wurden nicht enttäuscht. Wie eh und je stand ganz oben auf der grünen Tafel „LAN-Burger 3,- €“. Und keine zwei Minuten nach der Bestellung hatte ich schon ein dampfendes Gericht aus der Haute-Cuisine der Lanpartyküche auf meinem Tisch. Brutzlig gegrilltes und gaumenschmeichelnd gewürztes Hackfleisch (schätzungsweise 200 Gramm), darauf saure Gürkchen, frischer Salat und eine saftige Tomatenscheibe wurden mit einem goldbraun gerösteten Sesambrötchen ansprechend verpackt. Euch läuft gerade das Wasser im Munde zusammen, eure Pupillen erweitern sich und euer Magen fühlt sich an, als würde er von innen Roundhouse-Kicks verteilen? Tja, mir ging‘s grad beim Schreiben ganz genauso. ;)
Im Auftrag ihrer Majestät
Frisch gestärkt und mit einem wohligen Gefühl in der Magengegend machten wir uns also auf zum knipsografieren. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk standen wir zur Eröffnungsrede an der Bühne. Neben den üblichen Hinweisen zum Verhalten an Board, den Notausgängen, der Nutzung von Bulimietüten und Rettungswesten folgten auch noch zwei drei Sätze zu den Sponsoren und Partnern. Wir waren sichtlich stolz, dass neben dem Team der Eastwave und des EALT dabei auch unser Name fiel. Aber wir wollten uns nicht zulange dort aufhalten und machten uns lieber daran, die Geduld der Gäste auf die Probe zustellen. Und so haben wir geblitzdingst, was bei drei nicht auf den Bäumen war. Ok, den Blitz hätte ich gern auch weggelassen, aber da es mittlerweile stockduster in der Halle war, ging’s einfach nicht mehr ohne. Jedoch hat uns das offenbar auch keiner übel genommen (zum Glück liefen ja auch die Turniere noch nicht) und so posierte der eine oder andere Zocker sogar gern vor meiner Linse.

Heute schon geblitzdingst? Nichts und niemand entging unseren superschnellen Autofokus-Objektiven
Die Netzwerk-Situation
Unüblich im Vergleich zur sonstigen Nutzung dieser Location waren die Sitzreihen diesmal nicht parallel zur langen Seite der Halle ausgerichtet, sondern quer. Auch die Bühne und der Orga-Bereich fanden sich diesmal nicht am Kopf der Halle sondern seitlich unter der Tribühne. Laut den Organisatoren hatte das den Vorteil, dass die Wege von den Client-Switchen zum Backbone deutlich kürzer waren. Bei Licht betrachtet, schwebte ein Spinnennetz-artiges Gebilde über den Sitzreihen. Orangene Glasfaserkabel verbanden, zum Teil doppelt getrunkt, HP Procurve 2425 mit einem HP Procurve 4108gl, der als Backbone sein besonders starkes, 36 Gigabit/s breites Rückgrat beweisen musste.
Wieder in unserer VIP-Loge angekommen, haben wir ein wenig im selbstgeschriebenen Intranet-System NetOrga (offenbar ein modifiziertes Lansurfer) gestöbert und im Forum gelesen, dass einige Gäste starke Pingschwankungen beobachteten. Das haben wir natürlich gleich als Anlass gesehen, Investigativ-Journalismus zu betreiben und uns mit Jörg „LOLLI“, einem der Netzwerkverantwortlichen, zu unterhalten. Vermutlich stieg der Broadcast-Traffic im Netzwerk aus bisher noch ungeklärten Gründen (ich habe gestern Abend beim Telefonat mit Danny Sotzny extra nochmal nachgefragt) immer wieder stark an und verursachte für ein bis zwei Sekunden Pings von teilweise deutlich über 300 Millisekunden. Daraufhin senkte man, nach Aussage von Jörg, die Bandbreite beim Großteil der Client-Switche von ursprünglich 100MBit/s auf 10 MBit/s pro Client. Im Nachhinein betrachtet, war diese Vorgehensweise vielleicht eher ein kurzfristiger Griff nach dem Strohhalm, denn aufgrund der bandbreitenstarken Trunks zwischen Client-Switches und Backbone dürfte das Problem nicht rein von der Netzwerklast der Switches herrühren. Aber für Diagnose-Zwecke war dieser Schritt durchaus vertretbar.

Mindestens 15 Kilometer Netzwerkkabel, aus Kupfer und Glasfaser, wurden hier verlegt
Der Netzwerk-Jörg hatte überdies den Serverbrowser HLSW in Verdacht. Sollte ein uraltes Problem wieder aufgetaucht sein? Offenbar nicht, denn der Verdacht liess sich ziemlich schnell zerstreuen, denn zwar wurde nach Abschaltung der HLSW-Server der Broadcasting geringer, aber die störenden Ping-Einbrüche blieben dennoch nicht ganz aus. Wie uns noch im Laufe des Abends Teilnehmer berichteten, gab es diese starken Ping-Probleme nicht auf Public-Servern, die von den Teilnehmern selbst innerhalb der Sitzreihen und ClanAreale betrieben wurden. Vermutlich lag der Fehler also irgendwo im Netzwerksegment für die Turnierserver. Ähnliche Probleme hatte man übrigens auch schon auf der letzten Böhlen-LAN und hoffte, diese durch den Komplett-Austausch der Client-Switche (diese wurden extra neu angeschafft) zu beheben.
Danny versicherte mir aber, dass man während der Party am letzten Wochenende einige Megabytes an Traffic mitgeschnitten hat und nun versucht, diesen zu analysieren, so dass einem fehlerfreien Netzwerk bei der kommenden Lanparty nichts im Wege stehen sollte. Vor der LAN wurden auch extra alle Switches inklusive dem Backbone auf den neuesten Firmware-Stand gebracht– eine Nachfrage bei HP steht aber noch aus.
Nachdem wir also speziell zu diesem Thema den Orgas Löcher in den Bauch gefragt hatten, ging’s hoch zum V.I.P.-Bereich. Im zweiten Geschoss der Halle, dort wo auch die Tribünen für Zuschauer zu finden waren, hatten die Veranstalter die Plätze für gutbetuchte Teilnehmer aufgebaut. Und wen haben dort meine müden Augen entdeckt? Fast meine komplette alte Lanparty-Clique, mit denen wir jahrelang gemeinsam Lanparties gefeiert haben. Es ist zwar total unüblich, in einem redaktionellen Artikel irgendwelche Leute zu grüßen, aber ich mach das hiermit einfach, den Gefallen bin ich besagten Leuten schuldig. Also hiermit sind, in Order of Appearance „Azazael“, „Hammer“, „Glocke“, „Necroxs“, „Tunnelfreak“ und „M45K“ herzlich gegrüßt.
Brot und Spiele
Während wir also alte Geschichten auffrischten, liefen auf den Beamern diverse Trailer von Sponsoren und Partnern. Und hier habe ich eine kleine, persönliche Kritik abzugeben. Ich hätte mir dort, auch wenn ich selbst gar nicht mit spielbarem Equipment vor Ort war, mehr Infos zu den aktuell laufenden Turnierrunden und Ingame-Szenen von den Turnierservern gewünscht. Es wurde einfach recht schnell langweilig, auf eine der drei großen Leinwände zu blicken. Übrigens, und das muss ich unbedingt noch loswerden, hat man es auf dieser Lanparty tatsächlich geschafft, Counterstrike den Rang als (zumindest gefühltes ;-)) meistgespieltes Spiel auf einer Lanparty abzuringen. Auf fast jedem Bildschirm waren die Soldaten und Kriegsschauplätze von Call of Duty 4 zu sehen. Hier und da lief außerdem noch Quake 3 oder UT3. Das hat sich dann natürlich auch in den Turnierbäumen widergespiegelt - mehr als 30 CoD4-Teams waren dort angemeldet.

Nicht nur Shooter stehen hoch im Kurs. Im Bild, der Funracer Flatout2.
Aber wer waren die armen Pechvögel, die sich freiwillig dazu gemeldet haben, gerade diese Turniere zu organisieren? Die Jungs von der Eastwave-Lan. Ich bin mir sicher, die drei hatten nicht mal im Ansatz davon geträumt, wie viel Arbeit da auf sie zukommen wird. Aber die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn im Nachhinein gab es sehr viel Lob für die gut organisierten Turnier-Begegnungen. Das sollte einen deutlichen Image-Gewinn für die Eastwave-Lanparty bringen. Die EA-Games basierten Turnier wurden indes vom EA-Lanteam organisiert, wer sich für die Turnier-Ergebnisse interessiert, sollte einen kurzen Abstecher auf deren Website riskieren.
Vielmehr gibt es leider von unserer Seite aus nicht zu berichten, denn wir waren gerade mal für 8 Stunden auf der Böhlen-LAN zu Gast. Denn am Samstag rief dann schon wieder die Arbeit zum Appell. Um noch ein kleines Fazit abzugeben, wobei wir wirklich nur von Freitag-Abend bis Samstag früh um 5 zugegen waren:
Fazit
Bis auf die kleinen Netzwerkprobleme gab es technisch nichts zu beanstanden. Was uns sehr beeindruckte war vor allem der zügige Einlass und das leckere Catering. Was wir jedoch vermissten, war eine ruhige Sitzecke zum Abchillen und eine peppige Beamer-Show. Auch fehlte irgendwie ein, durch Dekomaterial herausgekehrtes Motto der Lanparty, damit man sich auch noch nach langer Zeit an etwas Einzigartiges erinnern kann. Nichts desto Trotz ist die Böhlen-LAN ist eine empfehlenswerte Lanparty mit ausgeprägtem Turnier-Charakter und einem kleinen Rahmenprogramm (Karaoke-Turnier, Wii-Turniere, Fahrsimulatoren).
Weitere Reviews und Bilder:
vampirschildkröte
Hmm
Na da frag ich mich aber warum das so öffentlich dargestellt wird? Sollte man das lnicht lieber geheimhalten um keine Nachahmer zu locken?
Fragman
HLSW
Ein HLSW-Server verringert den Broadcast doch dadurch, dass sich die HLSW-Clients von ihm die Serverinformationen holen und nicht jeder selber Broadcast ins Netzwerk ballert?
"Auf der Böhlen LAN VI haben 48User gerade mal 35% (~40MB/s) Netzlast auf dem LWL zur Backbone geschafft !!" <- Naja, vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß.
NeMiX
Altes Equipment
Wenn schon alles neu angeschafft wurde, warum dann HP Procurve 2425 (ich glaube eher die 2524´er sind gemeint)?!?
Die Modelle sind auch schon ausgelaufen, aber ich tippe mal das evtl. in der Config die max arp age time (so heißt es glaube ich) auf einen niedrigen Wert stand und dann in regelmässigen Abständen der Arp-Cache neu geschrieben wurde, da dadurch kann (!!!) es zu Lags kommen, wir hatten auch schonmal dieses Phänomen....
Torsten
Galeriebilder
Die Bilder dazu findet ihr übrigens hier: Galerie zur Spergau Lan
Tunnelfreak
kurzes Fazit aus Sicht eines Gamers
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um ein kurzes Fazit aus Sicht eines Gamers abgeben.
Leider waren die Netzwerkausfälle extrem störend. Teilweise wurde man an die gute alte Modemzeit erinnert. Ich kann nur hoffen, dass die Netzwerk Verantwortlichen herausfinden woran es gelegen hat. Zudem ließ die Informationspolitik zu wünschen übrig. Man hätte ruhig eine allgemeine Durchsage machen können, man hätte sich damit selber einen großen gefallen getan.
Noch einmal kann man sich in Zeiten von Hochgeschwindigkeits-Internet nicht mehr leisen. Ein Stabiles Netzwerk ist nun einmal das Fundament einer guten LAN Party.
Ansonsten gibt es an der Organisation der Party nichts zu bemängeln. Bis auf zwei kleiner Dinge wie z.B. das im Turniersystem für 3on3 CoD4 Turnier genau so viele Coins abgebucht wurden wie für das 5on5 obwohl dieses nur im Singleelemination Modus ausgespielt wurde.
Leider hatten wir diesmal kein Glück in der Auslosung und mussten jeweils schon in der ersten Runde gegen die Gewinner der Turniere antreten, was für uns das aus schon am Freitag nach weniger als 3 Stunden LAN Party bedeutet hat.
Der allgemeine Trend, dass die Clans anscheinend nur wegen der Turniere und wegen der Preise anreisen wurde auch diesmal wieder sichtbar. Es wurden kaum Funwars gespielt, im entsprechenden IRC Chanel wurde nicht eine Anfrage dazu gestellt. Einziger gut besuchter Spieleserver war ein Public TDM Server. Aus meiner nun jetzt schon langjährigen LAN Party Erfahrung heraus kann ich sagen das dies ein schlechter Trend ist. Dies musste wir zumindest für CoD4 so feststellen.
Alle weiteren Kommentare (6 insgesamt) zu dem Thema findest du in unserem Forum.
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