Review: BattleForge
Innovativ, aber auch gut?
Seit Jahren schon wird von Seiten der Gamer mehr Innovation in der Spielebranche gefordert. Statt einer x-ten Fortsetzung oder einer billigen Kopie eines erfolgreichen Vorbildes sollen es kreative Spielkonzepte und ausgefallene Ideen richten. Doch wenn mal ein originelles Spiel mit frischen Ideen erscheint, stimmen oft nicht die Verkaufszahlen, meist findet man es wenige Monate nach Release schon in der Ramschecke zum Billigpreis. BattleForge will das ändern. Das Potenzial dazu hat es allemal. Wieso, weshalb, warum? Das verraten wir in unserem Test.
Trading Cards meets Echtzeitstrategie
Da wir im Vorfeld noch nicht über BattleForge berichtet haben, folgt hier erstmal eine kurze Erklärung des Spielprinzips: In BattleForge ist so etwas wie Basenbau oder die Ausbildung von Truppen passé. Stattdessen benutzt man so genannte „Trading Cards“, um Einheiten und Zauber zu beschwören und Gebäude zu errichten. Damit man nicht immer auf den selben Karten sitzen bleibt, kann man sie im Handel mit anderen Mitspielern erwerben oder sich im Shop „Booster-Packs“ kaufen. Hier funktioniert BattleForge also wie ein richtiges, wenn auch virtuelles Sammelkartenspiel. Im Kampf dagegen ist vom gemütlichen Karten sammeln nichts mehr zu sehen, per Mausklick schickt man seine Truppen direkt in den Kampf und kreiert sowohl Zauber als auch Gebäude in Windeseile.
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Karten spielen leicht gemacht
Bevor man sich Hals über Kopf in eine Mission stürzt, sollte man sich erst einmal ein maximal 20 Karten umfassendes Deck zusammenstellen. Das wirkt auf den ersten Blick wahnsinnig komplex: Zahlreiche Karten, unterteilt in die vier Arten Frost, Natur, Feuer und Schatten und haufenweise andere Zahlen und Faktoren verunsichern einen anfangs. Doch dank allerlei Filter- und Hilfsfunktionen im Inventar findet man sich schnell zurecht und hat schon bald sein erstes Deck erstellt. Über eine Landkarte kann man nun Missionen mit bis zu zwölf Spielern starten oder sich im PVP-Modus alleine oder zweit mit menschlichen Spielern duellieren. Die Karten werden dabei am unteren Bildschirmrand in einer Leiste dargestellt. Um sie aber ausspielen zu können, reicht nicht nur ein einfacher Doppelklick, stattdessen müssen erst einmal Monumente, überall auf der Karte verteilte Gebäude, in Besitz gebracht werden. Diese kann man dann mit einem Feuer-, Natur-, Frost- oder Schatten-Orb aufrüsten. Wenn ich nun zum Beispiel mein erstes Monument mit einem Natur-Orb aufrüste, kann ich eher schwächere Natur-Karten ausspielen. Folgt noch ein Orb dieser Art, werden weitere, stärkere Karten freigeschaltet. Und so weiter. Im Klartext heißt das: Je mehr Monumente eines Kartentyps man besitzt, desto mächtigere Monster, Gebäude und Zauber kann man verwenden. Die andere Ressource, die zum Einsetzen von Karten benötigt wird, ist die Energie. Sie wird durch Energieschreine produziert, welche man meistens in der Nähe von Monumenten findet. Alles in allem funktioniert dieses System sehr gut und besonders im PVP-Modus werden Monumente oft zu heiß umkämpften, strategisch wichtigen Punkten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Die Steuerung innerhalb der Missionen funktioniert größtenteils einwandfrei und ist schnell erlernt. Die beiden Maustasten haben die Strategie-typischen Funktionen, mit der linken wählt man Einheiten aus und aktiviert deren Spezialfähigkeiten, mit der rechten bewegt man sie fort oder lässt sie gegnerische Truppen angreifen. So weit, so gut. Wenn man aber schon mal ganze Armeen navigieren muss, hilft einem das nützliche „Gruppen“-System, bei dem man alle ausgewählten Einheiten per Tastendruck zu einer Gruppe zusammenfassen kann. Das erspart einem das lästige Auswählen jeder einzelner Einheit und ermöglicht es einem, selbst bei großen Massenschlachten den Überblick zu behalten.
Reine Online-Spiele sind nicht gerade bekannt für eine gute Story. Bei BattleForge ist das leider auch der Fall, und das, obwohl die Voraussetzungen für eine filmreife Geschichte allemal vorhanden sind: Man selbst schlüpft in die Rolle eines Himmelsfürsten, einer Art Halbgott, dessen Aufgabe es ist, die Welt vor allerlei Fantasy-typischen Gefahren zu retten. Es geht um Verrat, Habgier und eine Seuche, die droht, die Menschheit zu vernichten. Nach jeder absolvierten Mission schaltet man ein weiteren Teil der Geschichte frei und genau da findet man auch den großen Kritikpunkt, die Präsentation der Story. Statt in Zwischensequenzen oder gar in richtigen Filmchen wird die Geschichte nämlich anhand eines Buches erzählt. Lieblos abgedruckt findet man dort endlose Massen an Text, die jegliche Ambitionen in punkte Story zunichte machen. Schade um die gute Vorlage.
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Die äußeren Werte
Nicht nur das Spielprinzip, auch die Grafik von BattleForge sticht hervor. Und zwar nicht aus technischer, sondern vielmehr aus künstlerischer Sicht. Die bunten Einheiten sind liebevoll gestaltet und besonders die ansehnlichen Animationen fallen ins Auge. Ausgespielte Karten werden auf dem Schlachtfeld begeistert begrüßt und mit etwas Geduld kann man seinen eigenen Einheiten dabei zusehen, wie sie sich mit ein paar Liegestützen körperlich ertüchtigen. Im Kampf beeindrucken dagegen die detailgetreuen Effekte der Zauber und das physikalisch korrekte Schadenssystem. Dennoch wird für BattleForge kein High-End PC benötigt, auch auf älteren System kann man das Strategiespiel ohne Ruckler zum Laufen bringen.
Das erste MMORTSG
BattleForge ist das wohl erste Massive Multiplayer Online Real Time Strategy Game. Obwohl es einige Einzelspieler-Missionen gibt, ist es ohne Internetverbindung nicht spielbar. Nach der Installation muss ein Account angelegt werden und wenn das Spiel gestartet wird, kommt man nicht umhin, sich erst ein mal einzuloggen. Der Vorteil daran ist, dass Updates nicht extra aus dem Internet heruntergeladen werden müssen, sondern per praktischer Auto-Patch Funktion direkt auf dem PC installiert werden. Zudem ersetzt der notwendige Login jegliche Kopierschutzmaßnahmen, was aber wahrscheinlich nicht jeder als Vorzug ansieht. Pausieren kann man während einer Mission nicht, alle Spieler müssen unter den selben Bedingungen spielen, sonst würden die Entwickler gegen die Glücksspiel-Paragraphen in manchen Ländern verstoßen. Das stört allerdings auch kaum, denn BattleForge ist auf schnelle, actionreiche Partien ausgesetzt.
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Sei es World of Warcraft, Age of Conan oder Herr der Ringe: Online, alle diese Spiele verlangen monatliche Gebühren. BattleForge tut dies zwar nicht, dafür gibt es aber BattleForge Punkte. Mit diesen Punkten kann man sich so genannte „Booster-Packs“ kaufen, die neue Karten freischalten. Die Vollversion des Spiels enthält 3000 Punkte, die umgerechnet für 12 Packs je acht Karten reichen. Wem das nicht reicht, kann sich Punkte von anderen Spieler „erhandeln“ oder sich Punkte-Karten kaufen, die einem für rund 20 Euro 2000 BattleForge Punkte bescheren. Als Belohnung für gemeisterte Missionen oder siegreiche PVP-Matches gibt es aber keine Punkte, ohne Entgelt läuft nichts.
Die andere Möglichkeit, an neue Karten zu kommen, ist, wie schon gesagt, der Handel mit Mitspielern. Dazu kann man entweder die Tausch-Funktion oder das Auktionshaus benutzen, wobei einem beim Auktionshaus das lästige Suchen nach einem geeigneten Tauschpartner erspart bleibt. Trotzdem finden sich hier einige Mängel. Einige Filterfunktionen und ein größeres Anzeigefenster würden dem Suchen nach dem besten Angebot sicherlich gut tun. Das Tauschen von Karten geht dagegen recht flott von statten, es empfiehlt sich aber, nicht jede Einladung zum Tausch anzunehmen, da es des Öfteren zu Unstimmigkeiten mit dem Gegenüber kommen kann.
Im Großen und Ganzen ist es nicht zwingend notwendig, Geld zu blechen, um an neue Karten zu kommen. Mit geschicktem Tauschen und einem regelmäßigen Besuch im Auktionshaus lässt sich der Vorteil durch gekaufte Karten-Packs gut kompensieren. Darüber hinaus bringen einem selbst die besten Karten nichts, wenn die Taktik nicht stimmt.
Fazit
BattleForge ist innovativ, keine Frage. Das Sammelkartenprinzip bringt frischen Wind ins Echtzeitstrategie-Genre und das Herumexperimentieren mit den verschiedenen Karten macht wahnsinnig viel Spaß. Zwar kann die Story nicht überzeugen und das System der BattleForge Punkte wird auch nicht jedem gefallen, Hobby-Strategen mit dem Hang zu Multiplayer Partien sollten aber trotzdem unbedingt einen Blick auf BattleForge werfen.
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