Aufschwung der Lanparty-Szene?
lanparty
"Lasst mal bitte die Webcams laufen übers WE. Biiiitte, meine Mama usw. wollen ma sehn, was LAN is!" - Diese Zeilen sind derzeit in der Shoutbox auf der Webseite der Böhlen-LAN zu lesen und lassen, das Nachwuchsproblem natürlich immer Hinterkopf, das Herz eines jeden Veranstalters höher schlagen. Aber fangen wir mal im Urschleim an. Im September 2006 fand zum letzten Mal die LANwirtschaft in Spergau bei Leipzig statt - bis dato die etablierteste und auch einer der größten Lanpartys Mitteldeutschlands. Die Gründe für das Ausscheiden des Teams wurden zwar nicht ausgesprochen, waren aber mehr als offensichtlich.
Stagnation der Teilnehmerzahlen
Der renommierte Veranstalter hatte Probleme mit stark sinkenden Besucherzahlen - dies hatte mehrere Gründe. Dazu gehörte auch das fehlende Nachwachsen von Teilnehmern. Warum die Nachwuchsentwicklung so eingebrochen ist, darüber kann man nur spekulieren. Aber eine Rolle könnte durchaus die Einschränkung auf Ü18 Veranstaltungen gespielt haben. Die LANwirtschaft konnte über Jahre hinweg sehr viele Stammgäste gewinnen, was aber die schlechte Teilnehmersituation letztlich nicht verbessern konnte. Gerade in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren kann schnell eine Interessenverschiebung durch sich ändernde Lebensumstände wie Familie und Beruf entstehen, und genau diese Altersgruppe stellte die Stammteilnehmer der LANwirtschaft dar.
Von außen betrachtet
Als Szene-Involvierter konnte man noch etwas anderes, interessantes beobachten. Während sich die Lanpartys in ihrer Grundorganisation und ihrem technischen Equipment bis in den professionellen Sektor weiterentwickelt haben, blieb eines auf der Strecke - die Außendarstellung, Öffentlichkeits- und Communityarbeit. Hier wurden wichtige Aufgaben einfach vergessen. Man konzentrierte sich zwar auf die nicht unwichtigen Kernpunkte der Lanparty-Organisation, aber übersah dabei, mit der Zielgruppe zu kommunizieren und diese zu werben. Eine Veranstaltung dieser Größe (500-600 Teilnehmer) sollte sich nicht allein auf ihr gutes Renommee als Platzhirsch in der eigenen Region verlassen, dazu fehlten ganz offensichtlich genügend Teilnehmerinteressenten. Lanpartys in dieser Größenordnung müssen vor allem überregional beworben werden. E-Sport- und Spieleplattformen (readmore.de, efever.de, 4players.de und ProjectLAN.de natürlich eingeschlossen) können dabei zu sehr wichtigen Multiplikatoren werden, denn hier erreicht man ziemlich genau seine Zielgruppe - und das auch noch gebündelt.
Mit der Öffentlichkeit arbeiten
Um bestmögliche redaktionelle Betreuung seitens dieser Plattformen zu erhalten, sollte man natürlich auch etwas anbieten, nämlich sauber aufbereitete Informationen. Als Redakteur bedient man sich vor allem an zur Verfügung gestelltem Pressematerial, darunter fallen Pressenews, Nachberichte, eine ordentlich geführte Historie und zur weiteren Veröffentlichung freigegebene Pressefotos. Ein hervorragendes Beispiel ist die Homepage vom Mad-Lan e.V.. Beeindruckend professionell ist die Öffentlichkeitsarbeit der ESL am Beispiel der Intel Friday Night Games. Hier werden jeweils vor den einzelnen Events Einladungen an die verschiedenen Online-Presse-Stellen verschickt und regelmäßig über Pressemitteilungen auf den aktuellen Stand gebracht. Es können kostenlos PC-Arbeitsplätze mit Internetanschluss in einem eigenen Pressebereich (ausgestattet mit LCD-Panels für Videoübertragungen der Spieler) vorreserviert werden, was die Live-Coverage enorm erleichert. Das ist etwas, was im Lanparty-Sektor dringend der Nachbesserung bedarf.
Aber zurück zur Titelüberschrift. Die Stammlocation der LANwirtschaft wurde dieses Jahr durch das Böhlenlan-Team übernommen - nicht aber die schlechten Teilnehmerzahlen. Denn schon Wochen zuvor zeichnete sich ab, dass die Veranstaltung ausgebucht werden würde. Wie lässt sich das erklären? Einen großen Teil hat mutmaßlich die intensive Zusammenarbeit mit anderen Communitys dazu beigetragen. Mit den Magazinen wie eGames und Powerplay, der Kooperation mit dem EA LANTeam, der Austragung der deutschen Trackmania Meisterschaften, das Angebot der Lanparty Pokertour. Auch ist die regelmäßige redaktionelle Arbeit auf der Homepage selbst zu würdigen. Denn alle zwei bis drei Tage wurden gewissenhaft ausgearbeitete News veröffentlicht. Das übrige erledigte dann der Name des in der Region nicht unbekannten Teams der Böhlenlan, die unter anderem auch die U.S. Play LANs ausgerichtet hat.
Letzten Endes sollte man sich as Veranstalter immer die Frage stellen, ob man genug Zeit und Arbeitskraft in die Öffentlichkeitsarbeit investiert hat. Das Beispiel der Böhlenlan und der IFNG zeigt, dass hier noch sehr viel Potential steckt. Der Nachwuchs bewegt sich auf E-Sport Plattformen, und genau diese sollte man sich zu Nutze machen.
Wir helfen euch dabei, und stehen mit Rat und Tat zu Seite.
Hier geht es zur Diskussion im Forum: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Lanpartys








Xorphitius
Titel unpassend?
Hmm, IMHO wird in dem Artikel eigentlich ein Problem vieler LP-Veranstalter angesprochen; das Marketing. Dieses erfordert - nach eigener Erfahrung - heutzutage ein sehr viel größeres Maß an Engagement und Professionalität als früher. Der Veranstalter muss es schaffen, sich in der aktuellen Informationsflut durchzusetzen und seine potentiellen Gäste zu erreichen.
Mundpropaganda und Stammgäste allein reichen - wie schon dargestellt - eben wirklich nicht mehr aus. Ich sehe weniger einen Aufschwung in der LP-Szene als vielmehr eine Neuorientierung. eSports scheint auch hierzulande langsam zu einem Begriff zu werden.
Dazu muss natürlich auch gesagt werden, dass diverse alteingesessene Portale aufgrund der Inaktivität der Macher einfach eingeschlafen sind bzw. viele aktuellen eSports-Portale sich nur auf den Online-Aspekt von eSports konzentrieren. Insofern wäre als eher von einer Neuorientierung in der LP-Szene zu reden, weniger von einem Auschwung.
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