WePad PR-Desaster und neue Pressekonferenz



WePad PR-Desaster und neue Pressekonferenz

Wie es ein vermeintlich deutsches Produkt schaffte, sich den Ruf zu ruinieren

Ein deutsches Unternehmen möchte mit dem WePad ein Konkurrenz-Produkt zu Apple etablieren und wirbt mit einer offenen Plattformtechnologie und dem Entwicklungsstandort Deutschland. Doch verschiedene, teils sogar offensichtlich selbst verschuldete Schwierigkeiten, machen Interessenten skeptisch.

Über den Zeitpunkt für eine Pressekonferenz zur offiziellen Vorstellung eines eigenen WebTablet-PCs könnte man sich streiten - fiel dieser Termin doch zeitgleich auf den Verkaufsstart des iPads vom Konkurrenten Apple. Aber offenbar wurde diese Konferenz zu zeitig einberufen und das Medienecho hat dies gnadenlos zu "würdigen" gewusst. Statt eines vollständig funktionierenden Produktes wurde ein Tablet gezeigt, das weder die versprochene Software-Basis noch die notwendige Funktionalität aufwies. Es wurde nämlich von einem offenen Betriebssystem auf Linux-Basis gesprochen und einem Multitouch-fähigen Eingabekonzept.

Doch statt Linux lief nachweislich eine Windows 7 Version, die lediglich dafür verwendet wurde, um ein selbstlaufendes Präsentationsvideo zu zeigen - das wurde den anwesenden Journalisten jedoch erstmal verschwiegen. Eine kleine Windows-Fehlermeldung während der Präsentation wies nämlich darauf hin. Worauf der Neofonie-Geschäftsführer, Helmut Hoffer von Ankershoffen, offenbar peinlich berührt die Zurschaustellung des kleinen Tablets beendete und den Bildschirm schnell zu seiner Brust wendete, um den Fehler zu verbergen.



Als ein Reporter einen der PR-Leute darum bat, doch mal die Touchoberfläche zur Eingabe zu verwenden, sträubte man sich. Das Touchpanel hätte man deaktiviert, da sonst jedermann damit herumspielen würde - und das, obwohl man das Pad gar nicht aus der Hand gab. Eine nachdrückliche Frage, warum man die Touchfunktion nicht einfach einschaltete, wies der Mitarbeiter damit ab, dass er das zu diesem Zeitpunkt nicht möchte, da der "Schalter" sich nur über das Programmieren im Betriebssystem-Code aktivieren ließe. Wiederum wurde verschwiegen, dass auf dem Pad Windows 7 statt dem im eigenen House entwickelten OS läuft und lediglich nur ein Video zu sehen war. Schenkt man anderen Quellen glauben, so befindet sich für die Hardware-Basis dieses Pads ein Treiber, der die Touchfunktionalität unter Windows 7 und anderen Betriebssystem bereitstellt, noch in Entwicklung (beim Originalhersteller).



Laut eigener Aussagen von neofonie ist das Pad eine komplette Eigenentwicklung aus Deutschland, nur die Produktion würde in Asien stattfinden. Jedoch berichten andere Medien, u.a. auch Golem, dass andere Hersteller WebTablets vorgestellt haben, die nahezu identisch aussehen und ausgestattet sind. Es soll sich dabei um den chinesischen OEM-Hersteller Pegatron, ein Tochterunternehmen von Asus, handeln. Etwa zur gleichen Zeit, als dieser den Marktstart für seine OEM-Tablets auf den Sommer verschoben hat, verkündete auch Neofonie, dass das WePad erst ab August verfügbar wäre. Also möglicherweise kein reines "Designed in Germany" - wie es sich die Website von neofonie.de auf die Fahnen schreibt.

Nach all dem ist es fraglich, wieviel Vetrauen Kunden in das WePad noch setzen werden. Die positiven Eigenschaften gegenüber dem iPad waren in der Tat sehr interessant. Eine offene Plattform, problemloser Tausch von Akku, Speichererweiterung via USB, Anschluss von Fernsehgeräten per HDMI, ein eigener (noch nicht näher genannter) Grafikchip für die Ausgabe von FullHD-Videos, uvm. Aber bisher konnte noch nichts davon bis dato in der Praxis gezeigt werden. Man darf gespannt sein, ob die nächste Pressekonferenz etwas aufschlussreicher ist, oder das Marketing weiter so holprig verläuft, wie bisher. Als nächster Termin wurde der 26. April angekündigt. Dort soll das WePad mit voller Funktionalität gezeigt werden. Allerdings soll der neue Prototyp dann keine abgerundeten Ecken mehr besitzen.

Derzeit ist die neofonie-Seite leider nicht zu erreichen. Sobald sie aber wieder online ist, finden sich dort die technischen Daten zum WePad.

Update: Die Website ist wieder erreichbar.



Bilder


WePad - Made in Germany? WePad - Made in Germany? WePad - Made in Germany? WePad - Made in Germany? WePad - Made in Germany?

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Kommentare


  • Hoffe nur das der Helmut damit ordentlich auf die Schnauze fällt. Das ist doch nichts anderes als in China gekaufter OEM-Schritt mit eigenem Logo drauf. Und dann soll das als deutsches Markenprodukt verkauft werden und die Verlage ziehen wahrscheinlich auch noch schön mit und nennen das Ding Volkspad oder so. Hoffe die Leser sind nicht alle so blöd wieder Helmut denkt!!

    21. Apr 2010 - 17:45 Uhr
  • Falsch: Das Betriebssystem wird zum Beispiel komplett in Deutschland entwickelt. Und in vielen Dingen ist das WePad dem iPad überlegen. Oder kannst du beim iPad den Speicher durch eine SD-Karte vergrössern oder ne USB Festplatte anstöpseln oder Flashgames zocken?

    21. Apr 2010 - 18:05 Uhr
  • Der Typ heißt eigentlich Helmut Oertel. Das Herr von und zu hat er sich nur gekauft. Das sagt schon alles über den Marketingkasper. iPad und WePad kosten zirka gleichviel. Aber ich brauch keines von beiden. ^^

    21. Apr 2010 - 20:23 Uhr

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